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Zweiter Band.
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lieben und ſie am Ende heirathen und mich wieder allein laſſen? Und wäre ich dann nicht ärmer wie zuvor? Denn ich könnte nicht heirathen, wenn ich einen Bruder, wie Wolfgang, ſo recht mit ganzer Seele liebte; mir würde es gehen, wie dem armen Onkel Peter, der noch immer und immer um die geliebte verlorne Schweſter klagt.— Arme Tante Margareth! wie lange iſt es nun ſchon wieder her, daß ich ſie nicht geſehen habe! aber es iſt auch Unrecht von Wolfgang, daß er nicht einmal hergekommen iſt. Wie kann ich den Muth haben, hinzugehen! Wer weiß denn, wie er jetzt über mich denkt! Auch meinen Brief hat er nicht beantwortet. Es war freilich eine Antwort nicht gerade nöthig, aber ſo ein paar Zeilen, die ſind doch bald ge⸗ ſchrieben, und ich hätte mich ſo darüber gefreut. An ſeine Braut wird er wohl deſto mehr geſchrieben haben.“
„Seine Braut? Wie die nur iſt? Sie ſoll ſo ſehr ſchön ſein und gewiß iſt ſie auch ebenſo klug— und da iſt es ihm freilich nicht zu verdenken, wenn er lieber zu ihr geht, als zu uns. Ob ſie ihn denn auch wohl recht lieb hat? Kann denn ein Mädchen, das ſo reich und vornehm iſt und Alles in Hülle und Fülle hat und deren ganzes Leben wie ein langer Feſttag iſt— kann ſie denn wirklich lieben? hat ſie auch ſo ſtille, taurige Stunden, wo ſie ſich einſam und verlaſſen fühlt? Mir däucht, dann erſt könnte ſie wiſſen, wie öde die Welt iſt und was es heißt, nicht geliebt zu werden, wie man geliebt ſein möchte.“
Ottilie ſtützte den Kopf in die Hand und ſchaute die Gaſſe hin⸗ auf mit jenem träumeriſchen Blick, der die Gegenſtände ſieht, ohne ſie wahrzunehmen. Da kam Wolfgang die Gaſſe daher, nicht in dunklem Rock, wie ſie ihn an dem letzten Abend geſehen— ſondern in Uniform, mit raſchen Schritten und ſchon von fern nach dem Erker ſchauend....
Ottilie rieb ſich die Augen, ſich zu vergewiſſern, daß ſie wache, aber das Bild blieb, wurde deutlicher—„iſt es denn möglich? Wolf⸗ gang? und ich bin ganz allein hier? Er wird auch wohl nicht her⸗ aufkommen!“
Das junge Mädchen erhob ſich raſch von ihrem Sitze und trat weit vom Fenſter weg mitten in die Stube. Dort blieb ſie ſtehen,


