Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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236 Die von Hohenſtein

nicht ſo früh geſtorben wäre? und wirſt Du von allen dieſen nicht wieder geliebt, viel mehr als Du es verdienſt? Was willſt Du noch mehr, Du ruheloſes Herz?

Liebe!

Liebe für wen?

Für ein Herz, das ebenſo jung und ruhelos iſt, wie das Deine; ruhelos und doch ſtetig; kräftiger als Dein Herz, das vor jedem Hauch der Gefahr erzittert; für ein Herz, wie es in eines Mannes Bruſt ſchlägt.

Eines Mannes! und wie müßte er ſein, der Mann, den Du lieben könnteſt? von ganzem Herzen, mit ganzer Seele dem Du Dein Leben weihen könnteſt? jede Stunde Deines Lebens jeden Schlag Deines Herzens jeden Gedanken Deiner Seele? Wie müßte er ſein?

Klug und gut; klug, daß ich vor ihm Reſpect habe, und gut, daß ich mich nicht vor ihm zu fürchten brauche. Stolze klare Augen müßte er haben und eine ſanfte Stimme, wie Wolfgang.

Wie Wolfgang?

Wenn Wolfgang mein Bruder wäre, dann hätte ich noch einen mehr zu lieben und dann würde er mich wieder lieben. Dann würde er es nicht über das Herz bringen, monatelang in der Stadt zu ſein, ohne ſein Schweſterchen einmal zu ſehen. Dann würde er alle Tage kommen und ich könnte über Alles mit ihm ſprechen; über meine Muſik, über ſo Vieles, was ich gern wiſſen möchte, und worüber ich mit dem Onkel und nun gar mit der Tante nicht ſprechen kann. Das

ſollte ein Leben werden wie ein ſonniger Frühlingstag ſo ſchön! Und dann würden wir zuſammen ſpazieren gehen. Ich habe mich im vorigen Sommer, als wir die Fahrt in das Gebirge machten, ordent⸗ lich nach ihm geſehnt. Wie muß das herrlich ſein, ſo mit Jemand, auf den man ſich ganz verlaſſen kann, in den Bergen herumzuklettern, oder auf ſeinen kräftigen Arm geſtützt, von dem Gipfel auf die grünen Wälder und die weiten Thale und den ſchimmernden Strom hinabzu⸗ blicken! Wenn er mein Bruder wäre!...

Aber würde er mich auch dann ſo lieben können, wie ich ihn lieben würde? würde er dann nicht doch ein andres Mädchen mehr