Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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3 Zweiter Band. 231

ſchen Hauſes aufgeſchlagen, ſondern ſich auch in aller Form bei Tante Bella in Koſt gegeben hatte.

Dieſes Factum hatte vielleicht an ſich nichts Außerordentliches, vennoch rief es in allen Kreiſen, die Dr. Holms Lebensweiſe kannten (und ſolcher Kreiſe gab es, da Dr. Holms Leben ſeit fünfundzwanzig Jahren, ſo zu ſagen, offen vor den Augen ſeiner Mitbürgern lag, viele), eine große Senſation hervor. Man wußte, daß Dr. Holm (ohne ein Gourmand zu ſein) ſehr viel auf einen guten Mittagstiſch hielt, daß er(als ein Mann von vielem Geſchmack, der er unbeſtritten war) gern in hellen und ſchönen Räumen, die eine ſchickliche Auf⸗ ſtellung ſeiner kleinen Kunſtſammlungen möglich machten, wohnte, und daß er, in richtiger Conſequenz dieſer ſeiner Neigungen, die Regel: gut zu eſſen und dem entſprechend ſich zu logiren, ſeit fünfundzwanzig Jahren unverbrüchlich befolgt hatte. Daß ein ſo gründlich verwöhnter Mann das Kreuz einer vielleicht nicht geradezu ſchlechten, immerhin aber ſehr gewöhnlichen Hausmannskoſt in Geſellſchaft eines grilligen, in ſeinen Geſchäften zurückgekommenen Bürgers und einer grämlichen alten Jungfer auf ſich nehmen und als Erſatz dafür in ganz notoriſch engen, dunklen und etwas dumpfigen Räumen hauſen und das Alles freiwillig thun ſollte, ſchien dem geſunden Menſchenverſtande im Allgemeinen und dem geſunden Verſtande des Dr. Holm im Speciellen ſo vollkommen zu widerſprechen, daß Niemand eine ſo offenbar thörichte Behauptung aufzuſtellen wagte. Im Gegentheil war man allgemein der Anſicht, daß Dr. Holm durch das Eingehen des Volksboten in ſeinen Vermögensverhältniſſen ſehr zurückgekommen ſein müſſe, und daß ſein Verſchwinden von den ſeit fünfundzwanzig Jahren frequen⸗ tirten Plätzen in das geheimnißvolle Dunkel des Hauſes in der Ufer⸗ guſſe einfach die Conſequenz einer traurigen Nothwendigkeit ſei.

Niemand aber war davon inniger überzeugt, als Tante Bella; Niemand bedauerte den braven Mann wegen der Entſagungen, die er ſich auferlegen mußte, mehr, als ſie. Sie war, als Dr. Holm ihr eines Abend den Vorſchlag machte, ihn in Koſt und Wohnung zu nehmen, mit Freuden darauf eingegangen. Sie war ſtolz, dem Freund in ſeinem Unglück helfen, ihm die Hälfte ſeiner bisherigen Ausgaben erſparen zu können.