Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Die von Hohenſtei.

größer ſein Talent, je feuriger ſein Geiſt, je hinreißender die Macht ſeiner Rede und der Zauber ſeiner Perfönlichkeit war.

Vielleicht wäre Peter Schmitz trotz all' ſeiner Energie nicht im Stande geweſen, dieſen Kampf, bei dem ſein Herz ſich faſt verblutete, durchzuführen, wenn Dr. Holm nicht ſo treulich zu ihm geſtanden hätte. Holm war genau in derſelben Lage, wie Peter Schmitz, ja vielleicht in einer noch ſchlimmeren, da in den Augen des Publicums auf ihn, als den Redacteur en chef des Volksboten nach Münzers Rücktritt von der Redaction, das Gehäſſige dieſes leidigen Zwiſtes einzig und allein fiel. Man beſchuldigte ihn in den Münzer freund⸗ lich geſinnten Blättern des Ehrgeizes, der Eiferſucht, der Doppel⸗ züngigkeit und doch konnte keines Menſchen Herz reiner von dieſer Leidenſchaft ſein, als das des Dr. Holm. Er hatte in Münzer nicht blos einen Freund verloren, an dem ſein warmes Herz mit der größten Zärtlichkeit hing, ſondern auch ein Ideal, zu dem er ſtets mit neidloſer Bewunderung hinaufgeſchaut hatte. Niemand hatte dem glänzenden Genius Münzers ſo willig gehuldigt, wie Holm. Wie oft hatte er nicht Münzers Artikel den Freunden als Meiſterwerke nach Inhalt und Form angeprieſen! wie oft war er nicht von Mün⸗ ers Reden zum begeiſterten Befall hingeriſſen worden und hatte ihn mit großer Emphaſe einem Demoſthenes, einem Cicero gleichgeſtellt! Nein, Dr. Holm machte es wahrlich kein Vergnügen, gegen den früheren Collegen öffentlich aufzutreten; und wer ein Ohr für der⸗ gleichen hatte, konnte die rührende Klage des Mannes, den die Pflicht zu ſo grauſamen Dienſten zwang, zwiſchen den Zeilen, die er gegen Münzer in dem Volksboten ſchrieb, herausleſen.

Wie dem aber auch ſein mochte das Schild über den Fenſtern links war verſchwunden, und in dem weiten Hausflur zeigten keine Rieſenhände mehr die ſchmale Treppe hinauf und die knarrende Galerie entlang:Nach der Redaction. Dennoch konnte man Dr. Holm jetzt noch ebenſo häufig, wie früher, in dem Hauſe der Ufergaſſe aus⸗ und eingehen ſehen, was freilich alle Diejenigen nicht überraſchen konnte, welche(wie z. B. ſämmtliche Bewohner der Ufergaſſe mit unberechen⸗ bar kleinen Ausnahmen) wußten, daß Dr. Holm ſeit dem erſten Januar nicht nur ſeine Reſidenz in zwei Hinterzimmern des Schmitz'