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Zweiter Band. 229
ganzen Herbſt hindurch todesmuthig um ſein Leben gekämpft hatte, hin, gehüllt in die alte Fahne, die er hoch gehalten, und ſtarb brav, wie er gelebt. Das Schild links über der Hausthür, auf welchem mit ſo hoffnungsgoldigen Worten:„Expedition des Volksboten“ zu leſen geweſen, wurde heruntergenommen und Peter Schmitz war ein ruinirter Mann.
Peter Schmitz hatte längſt gewußt, daß dies vas Ende ſein würde. Er hatte, um ganz freie Hand über das Blatt zu haben, und es ſo lange wie möglich der Partei erhalten zu können, nach und nach alle Actien in ſeine Hände gebracht, und die bisherigen Inhaber derſelben waren ſeelenfroh geweſen, ſchließlich noch ſo guten Kaufes davon zu kommen; er hatte die einſt ſo koſtbaren Papiere in ſeinen Händen ſich entwerthen und entwerthen ſehen, hatte zugeſetzt und zugeſetzt, bis er ſah, daß er, ohne Anderen, wie ſich ſelbſt, Opfer zuzumuthen, die Zeitung nicht mehr halten konnte. Dann erſt hatte er ſeine Bücher zugeklappt.
Mit traurigem Herzen und doch auch nicht ohne ein Gefühl der Dankbarkeit gegen das Schickſal, das ihn von dieſer Laſt endlich be⸗ freite, die täglich ſchwer und ſchwerer auf ſeinen Schultern gelegen hatte. Es war nicht blos der mit unaufhaltſamen Schritten heran⸗ drängende Ruin geweſen, der ihm die Zeitung während der beiden letzten Quartale verleidet hatte, ſondern faſt noch mehr die traurige Nothwendigkeit, in welche das Blatt gerathen war: gegen ihren früheren Redacteur en chef, gegen den Abgeordneten Bernhard Münzer und die ertreme Partei, an deren Spitze er ſich in der Con⸗ ſtituante geſtellt hatte, Oppoſition zu machen. Nichts ſchmerzte den braven Peter mehr als dieſer Umſtand, denn Münzer war der Freund ſeiner Seele geweſen; ja er liebte ihn noch jetzt, wie er außer ſeiner Schweſter Margareth und ſeiner Ottilie wohl Niemand auf Erden geliebt hatte. Und doch hatte er ſich politiſch von ihm losſagen müſſen, und doch hatte er ihn zuletzt Schritt vor Schritt bekämpfen müſſen; denn höher, als perſönliche Freundſchaft, und wäre ſie die innigſte geweſen, ſtand Peter Schmitz das allgemeine Wohl, und nach ſeinem beſten Wiſſen und Gewiſſen war Bernhard Münzer jetzt ein Feind des allgemeinen Wohles, ein um ſo gefährlicherer Feind, je


