Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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228 Die von Hohenſtein.

Fangen Sie auch ſchon an, auf ſich zu ſchelten, Herr Lieute⸗ nant? ſagte Herr von Degenfeld lächelnd, indem er Wolfgang zur Thür geleitete.Ueberlaſſen Sie das uns abgedankten Majors, wir haben mehr Urſache dazu. Adieu! Auf baldiges Wiederſehen!

Fünfundzwanzigſtes Capitel.

Und wieder waren die Preſſen in dem Hintergebäude des Hauſes in der Ufergaſſe zum Stillſtand gekommen; ja, es war ſehr wenig Ausſicht, daß ſie jemals wieder in Gang kommen würden. Die Setzerſtube, in der in im Frühlinge des vergangenen Jahres von ſo viel bärtigen Geſichtern gewimmelt hatte, war verödet und das gut⸗ müthige Geſicht des Factors Wenzel Müller erſchien nicht mehr in dem Schaufenſterchen der Thür nach dem Redactionszimmer, denn das Redactionszimmer war wüſt und leer. Die Papageien auf der Tapete, die mit den verwitterten Schnäbeln nach den vermoderten Früchten hackten, ſahen melancholiſcher aus als je zuvor; den Bilderbogen, auf welchem die famoſe Geſchichte von dem Hausherrn, der zur Nacht auf die Katzenjagd ging, ſo zierlich illuſtrirt geweſen war, hatte der Druckerjunge Fritz, als er zum letzten Male durch die Stube ging, von der Wand geriſſen; nur ein Fetzen mit der Schlußmoral:Blinder Eifer ſchadet nur! war ſitzen geblieben und ſchien die lautloſe Stille in den ſonſt von raſtloſer Thätigkeit erfüllten Räumen zu verhöhnen.

Aber der Hohn war übel angewandt, denn nicht blinder Eifer war es geweſen, was denVolksboten in Ruhſtand verſetzt hatte. Der Volksbote war nur der dienſteifrige Mohr der Revolution ge⸗ weſen und mußte gehen, als die Revolution ſeine Dienſte nicht mehr bezahlen konnte oder wollte. Wohl hätte er ſein Leben friſten können, wenn er ſich im Dienſt einer andern Herrin eine andere Livree hätte gefallen laſſen; aber zu einem ſolchen Kleider⸗ und Geſinnungswechſel hielt ſich der brave Mohr für zu gut, und ſo legte er ſich denn am letzten Tage des Jahres, nachdem er den ganzen Sommer und den