Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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5 226 Die von Hohenſtein.

ſchnell, und zweitens bin ich durchaus nicht Münzers Anſicht, daß die Entſcheidung dieſes ſo höchſt complicirten Proceſſes ſchon morgen oder übermorgen eintreten wird. Sie ſpielen jetzt eine traurige Rolle, ſagen Sie. Wohl; ich gebe es zu: aber es iſt ja auch eben nur eine Rolle. Was ich ſpäter von Ihnen verlange, das ſollen Sie nicht ſpielen, das ſollen Sie ſein: der Retter Ihres Vaterlandes, der Held, der den tauſendköpfigen Drachen, der jetzt die Prinzeſſin Frei⸗ heit in Feſſeln hält, erſchlägt, nein in den Dienſt der Prinzeſſin zwingt. Wolfgang, haben Sie keinen Ehrgeiz? oder iſt das Ziel, das ich Ihnen zeige, nicht eines Manneslebens werth?

Aber verzeihen Sie mir dieſe Frage! weshalb haben Sie ſelbſt nicht nach dieſem Ziele geſtrebt? oder vielmehr: warum haben Sie die günſtige Poſition, die Sie hatten, weggegeben, die Handhabe, die Sie hielten, losgelaſſen?

Weil ich nun ja, mein junger Freund, Ihnen kann ich es ſagen: weil ich in mir die Kraft nicht fühlte, der Heiland unſerer Leiden zu werden; ich konnte mich nur opfern. Ich konnte nur einem Andern, der größer iſt, als ich, den Weg bereiten; konnte nur rufen: thut Buße und beſſert Euch! Ich weiß: ich habe manches noch nicht ganz verſtockte Herz gerührt; ich habe in manchen, noch nicht ganz umnebelten Verſtand einen Lichtſtrahl geworfen: ich habe meine Pflicht gethan.

Ein lebhafterer Glanz hatte bei dieſen letzten Worten aus Degen⸗ felds großen ſanften Augen geleuchtet; nun aber flog ein Schatten über ſein ausdrucksvolles Geſicht und ſeine Stimme bebte, als er ſagte:

Soll ich deshalb leugnen, daß mir das Opfer ſehr ſchwer ge⸗ worden iſt? daß der zähnefletſchende Ingrimm, mit welchem man mich niedergehetzt hat, mich empört? der gemeine Geifer, mit dem man 5 mich beſudelt hat, mich anekelt? daß ich mehr als einmal auf dem Punkte geſtanden habe, die Thorheit zu begehen, meinen Widerſachern mit den Waffen in der Hand entgegenzutreten? Ich leugne das Alles nicht, lieber Wolfgang, denn es iſt nicht leicht ein wahreres Wort geſprochen, als daß nicht Alle, die ihrer Ketten ſpotten, frei ſind. Bis jetzt bin ich noch Herr über meine Thorheit geworden und hoffe