Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Die von Hohenſteis.

Dummheit, Stumpfſinn und Schlechtigkeit ſo leicht bemächtigt. In⸗ deſſen war es Herrn von Degenfeld ſchon ſo vorgekommen, als ob Münzers Trübſinn, der ſich öfters zur tiefſten Schwermuth ſteigerte, ſeine Nahrung noch aus anvern, als nur politiſchen Urſachen ziehen müſſe. Beſonders auffallend war ihm dies kurz nach Münzers Rück⸗ kehr von Rheineck geweſen und Herr von Degenfeld nahm deshalb die erſte Gelegenheit, die ſich bot, wahr, um Wolfgang zu bitten, ihm einige Details über Münzers Prioatleben mittheilen. Wolf⸗ gang hatte wenig zu erzählen. Er war ſelten in Münzers Familie geweſen; die Kinder waren ſehr hübſch und zutraulich; von Clärchen wußte er nur zu ſagen, daß ſie einen angenehmen Eindruck auf ihn gemacht habe, doch habe er immer das Gefühl gehabt, als ob die ſtille beſcheidene Frau dem Freunde nicht genügen könne, oder nicht genüge. Münzer habe nie über ſeine Familienverhältniſſe geſprochen, ſo ſei es ihm(Wolfgang) immer vorgekommen, als ob der Freund gar nicht verheirathet ſei. In dieſem Augenblicke ſei Frau Münzer mit den Kindern bei einem alten Onkel, einem katholiſchen Pfarrer, irgendwo auf dem Lande in einem Dorfe, deſſen Name ihm nicht gleich beifalle.

Wolfgang war ſehr zerſtreut, während er ſo Herrn von Degen⸗ felds Neugierde mehr reizte als befriedigte. In der That war er in dieſem Augenblicke ganz und gar mit ſeinen eigenen Angelegenheiten beſchäftigt.

Helfen Sie mir, rathen Sie mir, rief er, indem er von dem Sopha, auf welchem er bis dahin neben Herrn von Degenfeld ge⸗ ſeſſen hatte, aufſprang und mit ungeduldigen Schritten im Zimmer hin und her ging;ich kann dieſe traurige Rolle nicht weiter ſpielen. Sagen Sie mir, daß kein Menſch verpflichtet iſt, zum Heuchler zu wer⸗ ven, raß Niemand, und wären es ſie, denen wir das Leben verdanken, mehr von uns fordern kann, als unſer Leben, wenn es ſein muß, daß wir aber unter allen Verhältniſſen unſere Ehre, unſere Ueberzeugung rein bewahren müſſen vor jedem Makel ſagen Sie mir, was ich mir des Tages hundert Mal ſage und ich ziehe dieſen Rock aus, der mich mehr peinigt, als das Kleid des Neſſus den Herkules gepeinigt haben kann.