Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 223

will ich nicht; ich habe ſeit einiger Zeit graue Haare in ungewöhn⸗ licher Zahl auf meinem Kopfe bemerkt.

Ein Weib zum lieben, wiederholte Münzer, und ſeine Augen nahmen einen eigenthümlich ſtarren Ausdruck an, den ſie in letzter Zeit öfter gezeigt hatten;zu lieben von ganzer Seele und von dieſem Weibe wieder geliebt werden nun, dieſen Traum hat am Ende Jeder von uns einmal gehabt und verloren.

Wie meinen Sie? fragte Herr von Degenfeld überraſcht.

Ich meine: unſre Ideale ſind Eines und das reale Leben iſt ein Anderes und wer das Eine mit dem Andern reimt, der ſoll ein glücklicher Mann ſein. Leben Sie wohl!

Ich glaube gar, ich habe da eine wunde Stelle in dem Herzen dieſes Mannes berührt, ſprach Herr von Degenfeld bei ſich;das würde mir Manches bei dem ſeltſamen Menſchen erklären; ich muß doch einmal Wolfgang fragen; er kennt ihn ja ſeit latgen Jahren.

Wolfgang hatte, gleich nach ſeiner Zurückkunft, die mit der Münzers ungefähr zuſammenfiel, die Bekanntſchaft der beiden Männer vermittelt. Sie hatten ſich ſehr ſchnell gefunden, da ſie in ihrem geiſtigen Weſen ſo manches Gemeinſame hatten. Beide waren ſie Idealiſten, Beide waren ſie, bei dem entſchiedenſten Drange, für das Gemeinwohl zu wirken, vielleicht keine im eigentlichen Sinne prakti⸗ ſchen Politiker; Beide hatten ſie den zähen, unbeugſamen, leicht ver⸗ letzlichen Stolz einer ausgeprägten Individualität, der ſich ſo ſchwer mit jener liebreichen Nachſicht gegen die Schwächen des Nächſten ver⸗ einigt, ohne welche eine volle Wirkfamkeit im Geiſte der Nächſtenliebe ſchwer, wenn nicht unmöglich iſt. Dazu kam, daß Beide durch die traurigen Erfahrungen der letzten Zeit ſehr verſtimmt waren. Münzer kam eben aus einer Verſammlung, von der er ſo viel erwartet hatte und in veren endlichem kläglichen Geſchick er nur die gerechte Strafe

ihrer Zerfahrenheit und Schwäche ſehen konnte; Degenfeld war vor

wenigen Tagen ein Opfer jenes militairiſchen Kaſtengeiſtes geworden, der, wie Münzer ſagte, ſein mumienhaftes Daſein nur dadurch friſten kann, daß er jedem friſchen Hauch der Wiſſenſchaft und des Lebens den Eintritt verwehrt. Beide trafen in dem Peſſimismus zuſammen, welcher ſich hochſinniger Menſchen in dem verzweifelten Kampf gegen