Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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222 Die von Hohenſtein.

Ich fürchte: ein ſolcher Mann dürfte ſich ſchwer finden laſſen, ſagte Münzer.

Ohne Zweifel, erwiderte von Degenfeld; und doch muß er meiner Meinung nach gefunden werden, wenn wir aus der Miſere unſrer Zuſtände heraus kommen ſollen.

Und wenn der Mann die Macht, die er vielleicht im erſten Augenblick mit reinen Händen und reinem Herzen entgegennahm, her⸗ nach gegen die Freiheit wendet, wie die Geſchichte an ſo vielen Bei⸗ ſpielen zeigt?

So müſſen wir durch den Imperialismus hindurch, der für uns vielköpfige Deutſche, ſchon der Abwechſelung wegen, auch gerade kein Unglück iſt.

Aber die Armee iſt nicht unüberwindlich, rief Münzer,der achtzehnte März hat es bewieſen.

Der achtzehnte März hat in meinen Augen nichts bewieſen, erwiderte von Degenfeld,als nur die Kopfloſigkeit der Führer auf Seiten des Militairs. Nein, nein, lieber Doctor! Das Volk in Waffen wird immer ſtärker ſein, als das waffenloſe Volk. Wenn Sie das Volt in Waffen erſt entwaffnen müſſen, um Ihre Ideen durch⸗ zuführen, wenn Sie nicht vielmehr dieſe Waffen für Ihre Zwecke verwerthen können, ſo geben Sie in Gottes Namen die Sache auf, denn es wird in Ewigkeit nichts daraus.

In Ewigkeit wohl, ſagte Münzer;denn die ſtille Kraft der Zeit zerreibt zuletzt Baſaltgebirge, warum nicht auch Armeen; aber nur in der Zeitlichkeit nicht, zum wenigſten nicht zu meiner Zeit. Ach, Herr von Degenfeld: es iſt ein hartes Loos, immerdar den Stein des Sifyphus rollen zu müſſen.

Muth, lieber Freund, Muth! rief Herr von Degenfeld;wenn Sie den Kopf hängen laſſen wollen, der Sie für Weib und Kinder kämpfen, dem jeder gute Schwerthieb mit einem liebevollen Lächeln, oder mit einer ſchönen Hoffnung bezahlt wird woher ſoll ich denn den Muth nehmen ich einſamer Schuhn, der Niemanden auf der weiten Welt hat, für den er ringen und kämpfen könnte und möchte! Geben Sie mir ein Weib zu lieben und ich will nein! prahlen