Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Die von Hohenſtein.

Preiundzwanzigſtes Capitel.

Frau Antonie von Hohenſtein war vor einigen Tagen auf Rheineck angekommen, und hatte, nachdem ſie flüchtig die auf ihre Befehle ge⸗ troffenen Einrichtungen inſpicirt, ihre Zufriedenheit zu erkennen ge⸗ geben. Der Hausflur war mit Gewächſen aus dem Wintergarten ſchicklich decorirt, die Zimmer waren gut gelüftet und durchwärmt, die Ueberzüge von den Möbeln entfernt, die Büſten wohl abgeſtäubt. Es iſt Alles ganz nach meinem Wunſch, lieber Vettler; ganz nach meinem Wunſch, liebe Vettler.

Herr und Madame Vettler hatten für ihre Bemühungen ein wärmeres Lob erwartet und fanden ſich in Folge deſſen durch die Gleichgültigkeit, welche die gnädige Frau gegen ihre Werke an den Tag gelegt hatte, höchlichſt beleidigt.

Wenn's weiter nichts war, ſagte Herr Vettler,dann hätten wir uns nicht zu ſchinden brauchen.

Da haſt Du Recht, ſagte Frau Vettler, eine dicke, gutmüthige Perſon;aber die Gnädige ſieht lange nicht mehr ſo friſch und kräftig aus, wie im Frühling; ſie iſt gewiß krank; da kann man ihr ſchon was zu gute halten.

Papperlapapp, ſagte Herr Vettler;vornehme Leute werden gar nicht krank; ſo was iſt nur für unſer einen.

Wie es auch mit dem Geſundheitszuſtand Antoniens ſtehen mochte, mit dem weniger friſchen und kräftigen Ausſehen hatte es unzweifel⸗ haft ſeine Richtigkeit, und wenn üble Laune ein Symptom von Krank⸗ heit iſt, ſo ließ Antoniens Befinden viel zu wünſchen übrig. Sie kam wenig aus ihrem Zimmer, und wenn Frau Vettler Antonie wollte von Niemand ſonſt bedient ſein auf den Ruf der Klingel vor der Gnädigen erſchien, fand ſie dieſelbe in einem Fauteuil oder auf dem Sopha halb liegend, halb ſitzend, und immer mit demſelben abge⸗ ſpannten Ausdruck in den ſchönen Zügen. Nur einmal hatte Frau