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Zweiter Band. 209
Bettler zu fragen gewagt: was der Gnädigen fehle? und die Gnädige hatte mit etwas mürriſchem Tone geantwortet:
„Ich langweile mich.“
Frau Vettler war ordentlich froh, als der Tag, auf welchen die Gnädige den Beſuch der Herren angekündigt hatte, endlich da war. Nun mußte doch die Langeweile zu Ende ſein. Einige der Herren würden vermuthlich mehrere Tage bleiben; ſo war alſo vorläufig für Unterhaltung geſorgt. Herr Vettler, der vor einigen Tagen Briefe in die Stadt mitgenommen hatte, glaubte ſogar zu wiſſen, wer die Herren wären; doch ließ er ſich diesmal, gegen ſeine ſonſtige Ge⸗ wohnheit rückſichtsloſeſter Schwatzhaftigkeit, nicht weiter über das intereſſante Thema aus.
Die Geſellſchaft wurde zum Mittag erwartet, aber bereits um zehn Uhr kam ein verſchloſſener Miethswagen aus der Stadt. Ein großer Herr, der den Mantelkragen in die Höhe geſchlagen hatte, ſtieg ſchnell aus und trat in das Haus. Der Wagen fuhr ſogleich wieder ab.
Einige Minuten ſpäter ſaßen der Herr und Antonie in dem.
Empfangs⸗Zimmer einander gegenüber. Die Dame auf dem Sopha, der Herr in einem Fauteuil. Der Ausdruck in den Geſichtern der Beiden war aber keineswegs der beſonderer Freude oder auch nur geſellſchaftlicher Freundlichkeit. Im Gegentheil; Beider Stirne und Augen waren düſter. Sie hatten kaum ein Wort geſprochen und doch ſahen ſie aus, als hätten ſie ſchon eine lange und keineswegs ergötzliche Unterredung gehabt.
„Sie ſehen angegriffen aus, Antonie,“ ſagte Münzer.
„Ich langweile mich,“ entgegnete Antonie, ihre ſchönen Augen zur Zimmerdecke aufſchlagend.
„Da werden Sie Ihren ländlichen Aufenthalt nicht zu lang aus⸗ dehnen.“
„Ich dächte, ich wäre nicht zu meinem Vergnügen mitten im Winter auf das Land gezogen.“
„Gewiß nicht, und die Partei muß Ihnen deshalb das Opfer, das Sie ihr bringen, um ſo höher anrechnen, aber ich meine— und ich glaube, unſre heutige Conferenz wird auch die Andern zu dem
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