Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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206 Die von Hohenſtein.

läßt. Du ſollteſt nur hören, wie ſie Deine Partei gegen den Onkel nimmt, der ich muß es leider bekennen noch immer nicht ſo gut, wie ich es wohl wünſchte, auf Dich zu ſprechen iſt. Freilich liebt Dich auch der Onkel ich weiß es aus tauſend Kleinigkeiten und höre das ſelbſt aus ſeinem Schelten heraus; aber Ihr Männer ſeid hart, wenn es ſich um Eure Ueberzeugungen handelt, und Ihr müßt es auch wohl ſein in dieſem rauhen Leben, das Euch ſo viel zu ſchaffen macht und Eure ganze Kraft in Anſpruch nimmt. Und doch meine ich immer und ich habe es dem Onkel ſchon oft geſagt zwei gute und verſtändige Menſchen müſſen zuletzt, und wenn ſie auch auf noch ſo verſchiedenen Wegen gingen, an dem Ziele zuſammentreffen, denn das Ziel iſt doch daſſelbe. So hoffe ich denn zuverſichtlich, daß auch Du und der Onkel nicht ſo ſehr in Euren Anſichten auseinander ſeid, als es jetzt den Anſchein hat. Ihr müßt nur nicht gleich unge⸗ duldig und heftig werden, dann verſtändigt man ſich ſchon. Ich ſehe das alle Tage an der Tante und dem Onkel, die über keine einzige Sache dieſelbe Anſicht zu haben ſcheinen, und im Grunde immer daſſelbe wollen. Bei Deiner Mutter bin ich jetzt ſchon ein paar Mal ge⸗ weſen. Sie iſt ſo lieb und gut und wir ſprechen auch manchmal von Din

Wolfgang fiel es ein, daß man von einem andern Punkte des Walles auf das Quartier der Stadt, in welcher die Ufergaſſe lag, müſſe hinabblicken können. Er ging dorthin. Der Himmel hatte ſich etwas aufgeklärt und bei dem Licht der Sterne konnte man in unge⸗ fähren Umriſſen die langen Häuſerzeilen erkennen, in denen hier und da eine Laterne brannte, oder durch ein Fenſter der trübe Schein einer nächtlichen Lampe dämmerte. Und wie er ſo daſtand und hinabſchaute, ergriff es ihn wie Heimweh nach dem alten Hauſe in der Ufergaſſe, in deſſen verfallenen Räumen er die glücklichſten Stunden ſeiner Knabenjahre verträumt und verſpielt hatte, und das ihm immer als das eigentliche Aſyl aus dem Sturm des Lebens erſchienen war, eine Sehnſucht nach den guten Menſchen, die dort wohnten und ſich ſo muthig gegen das Unglück vertheidigen und im Glück ſo freundlich ſein konnten, nach dem grauköpfigen, allzeit geſchäftigen Onkel nach der guten, heftigen, mitleidigen Tante Bella, und nach dem