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204 Die von Hohenſtein.—
aufdeckte. Er hatte ſich auf die erſte Anfrage als den Verfaſſer be⸗ kannt und ſich erboten, den Beweis der Wahrheit für jedes Wort in jeder ſeiner Behauptungen anzutreten. Aber mit dieſem Anerbieten war denen, die ſeine Kläger und zugleich ſeine Richter waren, wenig gedient. Was Wahrheit! was Beweis! Subordination, unbedingte Subordination, blindes Schwören auf die Paragraphen des Dienſt⸗ Reglements und auf die Unfehlbarkeit des Kriegsherrn! Das ſeien die Erforderniſſe eines guten Officiers! und wer das nicht könne und das nicht thue, ſei ein ſchlechter Officier, der dem Corps Schande mache; und die Ehre des Corps und der ganzen Armee erfordere, daß man einen ſolchen Officier vor das Kriegsgericht ſtelle, und das Kriegsgericht caſſire einen ſolchen Officier.— Dies Schickſal hatte den Herrn von Degenfeld wenige Tage nach Wolfgangs Rückkehr aus der Reſidenz betroffen; es war ein Vorſpiel des Belagerungszuſtandes, der eine Woche darauf über Rheinſtadt verhängt wurde.
Wolfgang war über dieſe Vorgänge außer ſich geweſen, und nur der Gedanke an ſeinen Vater, der in den verfloſſenen Monaten um eben ſo viele Jahre gealtert ſchien, und an die Mutter, deren ſchwan⸗ kender Geſundheitszuſtand das Schlimmſte befürchten ließ, hatte ihn vermocht, den Degen, welchen er nicht durch die Hand des Fürſten vom Staat, ſondern durch die Hand des Fürſten vom Fürſten be⸗ kommen haben ſollte, in die fürſtliche Hand zurückzugeben. Herr von Degenfeld ſelbſt hatte ihm zugeredet, zu bleiben; und wäre es auch nur auf kurze Zeit.„Thun Sie es mir zu Liebe,“ hatte er geſagt; „ich habe das lebhafte Bedürfniß, dieſe meine Sache allein auszu⸗ fechten. Ihr Austritt in dieſem Augenblick würde mir in den Augen mancher Leute ſchaden, deren gute Meinung ich vorläufig noch nicht wohl entbehren kann.“ Wolfgang mußte nachgeben, obgleich er ſich nicht überzengt fühlte. Offenbar konnte oder wollte Herr von Degen⸗ feld nicht mit der Sprache herausgehen.
So thürmten ſich die Wolken von allen Seiten drohend um Wolf⸗ gangs Horizont, und ach! der Stern, der eine goldne Stern, zu wel⸗ chem er im Parke von Rheinfelden mit ſo gläubiger Seele aufgeſchaut — der Stern, von dem er gehofft hatte, er werde ihm ein ewiges Licht der Kraft und des Muthes ſein in allen Gefahren dieſer Welt—


