Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 203

dem, was er zu ſein wünſchte jetzt lebhafter wünſchte, als je zuvor. Die letzten Monate, die er in der Reſidenz, im Mittelpunkt des politi⸗ ſchen Treibens, im Verkehr mit Münzer und deſſen Freunden, ein aufmerkſamer Beobachter von Allem, was vorging, verbrachte, hatten aus dem Jüngling einen Mann gezeitigt. In immer größerer Klar⸗ heit hatten ſich ihm die Ziele des ungeheuren Kampfes, der nicht blos im engeren Vaterlande, ſondern in ganz Deutſchland, ja in ganz Europa entbrannt war, enthüllt; immer deutlicher, faßlicher, verſtänd⸗ licher waren ihm aus dieſem ungeheuren Bilde die einzelnen Gruppen der Kämpfer hervorgetreten; immer wärmer war aber auch mit dem helleren Verſtändniß ſeine Sympathie für die heilige Sache der Frei⸗ heit geworden, und für die wackeren Kämpen, die unter ihrem glor⸗ reichen Banner ſtritten; immer entſchiedener aber auch ſein Haß gegen die brutale Willkür und ihre gefügigen Werkzeuge. Und während ſeine andächtigen Blicke auf die leuchtende Spur des Weges ſchauten, der vorwärts in das ſonnige Land der Freiheit führt, trugen ihn ſeine widerſtrebenden Füße rückwärts, immer rückwärts die dunkle Bahn, auf der es von den Cohorten des Reiches der Gewalt wimmelt. Der grelle Widerſpruch ſeiner Ueberzeugungen und der Pflichten des Berufes, dem er ſich nothgedrungen gewidmet hatte, drängte ſich ihm mit jedem Tage ſchmerzlicher auf. Zwiſchen dem Geiſt der Zeit und dem Geiſt, der in dem Stande gepflegt wurde, zu dem er jetzt ge⸗ hörte, gab es keine Verſöhnung; ſie mußten ſich bekämpfen wie Ormuz und Ariman, die Götter des Lichtes und der Finſterniß ſich bekämpfen müſſen, ob auch Keiner der Kämpfer, die jetzt auf dem Plan ſind, den Tag des Sieges und der Niederlage ſchaue. Nein! keine Verſöhnung, kein Friede! und über die wohlwollenden Vermittler, die gutherzigen Friedensſtifter, rollt die entfeſſelte Schlacht und tritt ſie nieder in den Staub! Das konnte Wolfgang aus dem Schickſal des trefflichen Mannes lernen, der ihm bei ſeiuem erſten Eintritt in das Waffenhandwerk mit Gruß und Handſchlag und freundlich be⸗ ruhigenden Worten entgegengetreten war, an dem Schickſal des Majors von Degenfeld. Man hatte im Nu herausgefunden, daß er und nur er der Verfaſſer jener Broſchüre ſein konnte, die mit ſo patriotiſchem Freimuth die Schäden gerade des heimiſchen Heeres

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