Die von Hohenſtein.
Befürchtungen ſo ſchnell und ſo vollkommen in Erfüllung gegangen! In welches Elend hatte er ſich gegen ſeine Ueberzeugung, gegen ſein beſſeres Wiſſen und Gewiſſen geſtürzt! Und wem war dies Opfer zu gute gekommen? Nicht dem Vater, der nach wie vor über ſeine gedrückte Lage klagte; nicht der Mutter, die ſich immer ſcheuer und ängſtlicher vor dem Leben zurückgezogen hatte und deren Körperleiden mit ihrem Seelenleiden in ſchrecklicher Steigerung gewachſen waren? Und doch hatte er nur für das Wohl der Eltern das ſchwere Kreuz auf ſich genommen, unter deſſen Laſt ſeine Seele ſich ſchier erdrückt fühlte. Wie ſollte dies enden? So konnte es nicht bleiben, ſollte er nicht on Leib und Seele zu Grunde gehen, und doch, wie ändern, was nnabänderlich wie ein böſes Schickſal ſchien?
„Das Schickſal macht aus uns, was wir ſelber aus uns machen.“.. Wolfgang konnte dieſe Worte des Onkel Peter nicht vergeſſen. Er hörte ſie in dem klagenden Heulen, wie in dem ſpötti⸗ ſchen Pfeifen des Windes. Die ſtumme grauſe Nacht ſchien Sprache zu gewinnen und nichts weiter zu klagen und zu ſagen, als das eine grauſe Wort:„Das Schickſal macht aus uns, was wir ſelber aus uns machen.“
Was hatte es aus Onkel Peter gemacht? einen armen Mann, der in ſeinem funfzigſten Jahre den Hoffnungen ſeiner Jugend, an deren Verwirklichung ér ein Menſchenalter voll nimmermüder Thätig⸗ keit geſetzt hatte, entſagen und zu dem Anfang der Bahn, von der er ausgegangen war, zurückkehren mußte. Und doch, wie reich war Onkel Peter! wie reich in dem Bewußtſein, während dieſer langen Zeit nie auch nur eines Haares Breite von dem geraden Wege der mannhaften Ueberzeugungstreue abgewichen zu ſein! in dem Bewußt⸗ ſein, immerdar das Rechte gewollt zu haben, immerdar mit ſich ſelbſt im Einklang geweſen zu ſein! Wie unſäglich reich war Onkel Peter! wie wohl ſtand es ihm an, den trotzigen Kopf mit den krauſen grauen Haaren in den Nacken zu werfen und in ſeiner kurzen knappen Weiſe, bei der jede Sylbe wie ein Hammerſchlag klang, die Worte zu ſprechen:„Das Schickſal macht aus uns, was wir ſelber aus uns machen.“.
Was hatte es aus ihm ſelbſt gemacht? Das Gegentheil von


