Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Band. 201

Schickſal geſagt habe, das Jeder ſich ſelbſt bereite, ſo brauchſt Du das auch nicht ſo wörtlich zu nehmen. Es mag Dir ſauer genug werden, zu thun, was Du für Deine Pflicht hältſt. Gute Nacht, und höre Wolfgang: grüß' mir die Mutter!

Wolfgang drückte Onkel Peters Hand, ohne ein Wort der Er⸗ widerung finden zu können, und kehrte, in trübſtes Sinnen verloren, in die Citadelle zurück.

Zweiundzwanzigſtes Capitel.

Er fand die kalte und von abgeſtandenem Tabaksrauch noch immer reichlich getränkte Luft der Wachtſtube, nachdem er einige Zeit vor dem Ofen geſeſſen und in die langſam glimmenden Scheite ge⸗ ſtarrt hatte, unerträglich. So zündete er ſich eine Cigarre an, knöpfte ſich den Paletot wieder zu, und beſtieg den hohen Wall, der ſich un⸗ mittelbar hinter dem Wachthauſe erſtreckte und in eine Baſtion aus⸗ lief, deren Höhe die des Walles noch bedeutend überragte. Hier ſchritt er lange auf und ab. Mit langem klagendem Stöhnen ſtrich der Nachtwind über die Ebene heran, raſchelte in dem dürren Laub der Bäume auf dem Glacis und pfiff um die Köpfe der Palliſaden. An dem nächtlichen Himmel jagten die ſchwarzen Wolken unter den hier und da durchblickenden Sternen, deren wechſelndes Licht die Nacht nur noch dunkler und unheimlicher zu machen ſchien. Links zu ſeinen Füßen ſchlief die Stadt lautlos, als würde ſie nie wieder erwachen. Wie vermummte Rieſen ſtanden die ſchwarzen Thürme ihrer Kirchen und alle überragend der Koloß ihres Domes wie der Fürſt in dieſem Reiche der Finſterniß. Vergeblich bemühte ſich Wolfgang die Form eines Gegenſtandes deutlich zu erkennen; je länger er hinblickte, deſto phantaſtiſchere Geſtalt nahm Alles an; die Kanone auf dem Wall ſah wie ein Ungeheuer aus, das, zum Sprunge bereit, auf Beute lauert.

Dieſe traurig⸗ernſte, ſchwarze, wehende Nacht ſtimmte durchaus zu Wolfgangs Seelenſtimmung. Wie waren doch feine ſchlimmſten