200 Die von Hohenſtein 8
Du zur Thür hereinkamſt. Ich glaube, ſie würde mich wieder ſchelten, wenn ich Dein Anerbieten, mich aus dem Loche hier zu laſſen, aus⸗ ſchlüge. Aber, weiß es der Himmel, Wolfgang: ich bleibe lieber, als daß ich gehe.“
„Ich bin davon überzeugt, Onkel; und rechne es Dir um ſo höher an, wenn Du es dennoch thuſt.“
Onkel Peter drückte mit Entſchloſſenheit ſeinen Hut— der in ver Begegnung mit der Patrouille übel genug zugerichtet war— in die Stirn und ging mit Wolfgang nach der Thür. Plötzlich aber blieb er ſtehen und ſagte leiſe:
„Höre, Wolfgang, Du wirſt doch aber keine Ungelegenheiten da⸗ von haben, daß Du mich— ehem!— aus dem Loche hier läßt?“
„Ich glaube nicht, Onkel; die Leute ſind mir zugethan und Du biſt noch nicht einmal in die Arreſtantenliſte eingetragen.“
„Na, ſo komm!“ ſagte Onkel Peter.
Wolfgang nahm Onkel Peters Arm, öffnete die Thür und ſagte zu dem Unterofficier Rüchel, der in dem Gange auf⸗ und abging:
„Der Herr iſt mir ſehr wohl bekannt; die Sache beruht offenbar auf einem Mißverſtändniß.“
„Zu Befehl, Herr Lieutenant,“ ſagte der Unterofficier Rüchel.
„Befehlen der Herr Lieutenant, daß ich den Herrn hinausbegleite?“
„Danke, ich will es ſelbſt thun.“
„Zu Befehl.“
Wolfgang nahm Onkel Peters Arm und führte ihn aus dem Wachthauſe über den Hof an der Thorwache, die natürlich bereit⸗ willigſt das kleine Pfürtchen neben dem verſchloſſenen Hauptthor öffnete, über die Zugbrücke der Citadelle auf den abſchüſſig chauſſirten Weg an dem letzten Poſten vorüber.
„So, Onkel,“ ſagte Wolfgang,„nun gute Nacht!“
„Gute Nacht,“ ſagte Onkel Peter.
Onkel Peter that, als ob er Wolfgangs dargebotene Hand nicht ſähe, und ging ein paar Schritte; dann kam er ſchnell wiever zurück und ſagte mit vor Erregung zitternder Stimme:
„Gieb mir Deine Hand, Junge! Du haſt doch mehr Schmitz'ſches Blut in den Adern, als ich glaubte. Und, was ich vorhin von dem


