Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Die von Hohenſtein.

Wollen Sie mir die Laterne geben? So! dankel Sie warten wohl hier auf mich.

Zu Befehl, Herr Lieutenant.

Wolfgang trat ein. In dem kleinen, dumpfigen Gemach faß ein Mann mit dem Rücken nach der Thür an dem Tiſch. Er hatte den Kopf in die Hände geſtützt und ſchien zu ſchlafen; wenigſtens rührte er ſich, als die Thür geöffnet wurde, nicht aus ſeiner Stellung. Wolfgang ſtellte die Laterne auf den Tiſch und trat an den Sitzen⸗ den heran:

Mein Herr!...

Der Arreſtant fuhr aus ſeiner Stellung in die Höhe.

Onkel Peter!

Peter Schmitz ſtarrte mit dunklen zornigen Augen auf den vor ihm ſtehenden Officier, in welchem er nur mit Mühe ſeinen Neffen Wolfgang zu erkennen ſchien. Dann zog ein verächtliches Lächeln über ſein ausdrucksvolles Geſicht.

Mit wem habe ich die Ehre?

Onkel, ſagte Wolfgang mit bewegter Stimme,ſein Sie groß⸗ müthiger als das Schickſal, das mich Ihnen ſo gegenüber ſtellt.

Das Schickſal, mein Beſter, ſagte Onkel Peter, dem ſeine Leidenſchaftlichkeit die Durchführung der angefangenen Rolle unmöglich machte,macht aus uns genau das, was wir ſelber aus uns machen; aus dem Einen einen ehrlichen Mann, aus dem Andern... haben Sie noch ſonſt etwas zu befehlen, Herr Lieutenant, ſo geniren Sie ſich nicht; im Uebrigen wünſche ich allein zu ſein.

Onkel, Onkel! es wird Ihnen morgen bitter leid thun, daß Sie heute ſo mit dem Sohne Ihrer Schweſter ſprachen.

In dem Tone von Wolfgangs Stimme lag ein ſo wahrer und tiefer Schmerz, daß Onkel Peter, ſo zornig er war, nicht davon un⸗ gerührt blieb.

Was hilft das Klagen! ſagte er barſch,Geſchehenes iſt nicht zu ändern; Du mußt die Folgen Deiner Handlungsweiſe tragen, wie ich die Folgen meiner Grundſätze tragen muß. Du commandirſt, wie es ſcheint, eine Wache, auf der Dein Onkel gefangen ſitzt, weil er die Frechheit hatte, ſich der Brutalität einer Patrouille nicht zu fügen,