Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 197

ſtube Zurückbleibenden war, wenn der wachthabende Officier die ihm vienſtlich vorgeſchriebene Ronde innerhalb des Rayons der Citadelle wirklich machte, anſtatt ſie einfach als gemacht in den Rapport ein⸗ zutragen, während er ruhig hinter der Bowle ſeinen Verpflichtungen als Wirth nachkam. Aber er wußte auch, daß, was Andern ungeſtraft und ungerügt durchging, für ihn ſehr unangenehme Folgen haben konnte. So ließ er denn, nachdem ſich die Gäſte endlich lärmend und unter viclem Gelächter über dieſchwankende Haltung der Herren Lieutenant von Willamowsky und Fähndrich Odo von Hohenſtein ent⸗ fernt hatten, die Fenſter des Zmmers öffnen, um den Tabaksrauch und den Weindunſt herauszulaſſen, und fragte den wachthabenden Unterofficier, ob während ſeiner Abweſenheit etwas vorgefallen ſei. Ein Arreſtant iſt abgeliefert, Herr Lieutenant; ich ſollte ihn zu den übrigen ſtecken; aber weil der Mann ſo weit ganz anſtändig aus⸗ ſieht, habe ich ihn in das Officierarreſtlokal ſperrer laſſen, bis der Herr Lieutenant zurückkäme; es wimmelt in dem andern Lokal von Ungeziefer, Herr Lieutenant.

Der Unterofficier Rüchel, ein hübſcher, intelligent ausſehender

Mann, würde ſich dieſe Abweichung von der Vorſchrift ſchwerlich er⸗

laubt haben, wenn Wolfgang nicht während der vierzehn Tage, ſeit

denen er in das Regiment eingeſtellt war, durch ſein freundliches Be⸗ nehmen die Liebe und das Vertrauen ſeiner Untergebenen in hohem Grade erworben hätte. Dennoch brachte er ſeine Sache in einem un⸗ ſichern Tone vor, und fühlte ſich augenſcheinlich nicht wenig erleichtert, als Wolfgang, anſtatt aufzubrauſen, ruhig und wie um Belehrung bittend, fragte:

Muß ich den Mann hier behalten?

Wird nicht nöthig ſein, Herr Lieutenant; eingetragen iſt er ſo wie ſo noch nicht. Der Herr Lieutenant können ihn ſich ja ein⸗ mal anſehen.

Wollen Sie mich hinführen?

Zu Befehl, Herr Lieutenant.

Der Unterofficier Rüchel zündete eine Laterne an, nahm die Schlüſſel vom Haken an der Thür und leuchtete Wolfgang einen engen und ſchmalen Gang vorauf bis an eine Thür, die er aufſchloß.