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Zweiter Band. 191
Der gewaltige Hund ſprang mit freudigem Gebell an dem Schul⸗ meiſter in die Höhe und legte ihm die gewaltigen Tatzen auf die Schulter; dann erwies er dem Pfarrer dieſelbe Aufmerkſamkeit.
„Iſt gut, Pluto! nun fort!“ ſagte Balthaſar und der Hund ſtürzte wieder in die Büſche zurück, während die Beiden eilig und ohne ein Wort zu ſprechen ihren Weg fortſetzten und bald an der Pforte, durch die ſie in den Park getreten waren, anlangten.
Der Pfarrer athmete hoch auf, als der Wind vom Fluſſe her über das offene Feld ihm in's Geſicht wehte. Von dem Dorfe Rhein⸗ felden, das nicht weit links von ihnen und etwas tiefer am Ufer lag, ſchimmerte hier und da ein ſchwaches Licht herüber. Der Weg nach Kirchheim zweigte ſich an dieſer Stelle ab, um etwas oberhalb des Dorfes in den Uferpfad zu fallen.
„Wollt Ihr mich bis an den Fluß begleiten, Balthaſar!“ fragte der Pfarrer.
Der Ton, in dem er das ſagte, war ein gut Theil höflicher, als der, in welchem er ſonſt mit dem Schulmeiſter zu ſprechen pflegte. Der kleine, ſcheu blickende Mann war während der letzten Stunde ſehr in ſeiner Achtung geſtiegen.
„Recht gern, Hochwürden;“ erwiderte Balthaſar.
„Sagt mir, Balthaſar?“ fing der Pfarrer nach einer Pauſe an: „Seit wann iſt denn das Weib vem Alten ſo feindlich, da es doch ihr Vortheil ſcheint, mit ihm in Frieden zu leben?“
„Seit dieſem Frühling, Hochwürden, wo die Herrſchaften aus der Stadt hier waren. Sie hat nie gewollt, daß Excellenz mit den Ver⸗ wandten Friede und Freunvſchaft hielten. Sie wirft ihm vor, daß er ſein Geld an die Verwandten verzettle, beſonders an den jungen Herrn Wolfgang, einen lieben leutſeligen Jüngling, der, wie ich höre—“
„Ich weiß, ich weiß,“ ſagte Ambroſius,„der Alte hat's mir er⸗ zählt; er hat in letzter Zeit mehr als ſonſt für ſeine Verwandten ge⸗ than und das will das Weib nicht; aber dahinter ſteckt mehr. Glaubt Ihr, Balthaſar, daß ſie den Alten an den Galgen bringen kann, wenn ſie will?“
„Sie ſagt es freilich oft; ich halte es aber für eine leere Drohung.“


