Die von Hohenſtein.
„Hm, hm,“ ſummte der Pfarrer,„doch hier ſind wir auf dem Uferwege; ich will Euch nicht weiter bemühen.“
Der Pfarrer wandte ſich und machte ein paar Schritte, dann blieb er wieder ſtehen und ſagte:
„Balthaſar! ſagt mir doch, wie lange iſt es her, daß der ſchöne lange Menſch, der Jürgens aus Kirchheim, der bei dem General als Jäger diente, todt iſt?“
„Das mögen nun wohl ſo ein zehn Jahre ſein, Hochwürden.“
„Und— ich war damals krank und erinnere mich der Geſchichte nicht mehr genau— er ſtarb ja wohl ſehr plötzlich? Woran ſtarb er denn nur?“
„Er war während der Nacht in der Trunkenheit die ſteile ſteinerne Wendeltreppe im Thurm herabgeſtürzt und ſo unglücklich gefallen, daß er mit der Schläfe auf die ſcharfe Kante der unterſten Stufe fiel und augenblicklich todt war.“
„Das war ein ſehr unglücklicher Fall,“ brummte der Pfarrer; „gute Nacht, Balthaſar.“
„Gute Nacht, Hochwürden.“
Die beiden Männer trennten ſich und ſchon nach wenigen Augen⸗ blicken waren ſie einander in dem Dunkel, das heute ganz beſonders dicht auf dem breiten Strom und den kahlen Feldern lag, verſchwunden.
Einundzwanzigſtes Capitel.
In derſelben finſtern und rauhen Nacht ſaßen in der Officier⸗ ſtube der Wache vom Fort St. Sebaſtian in Rheinſtadt mehrere Herren vom Militair um eine dampfende Bowle. Die Herren hatten augen⸗ ſcheinlich ſchon lange geſeſſen und gebechert; zum wenigſten ſprach für dieſe Vermuthung eine bedenkliche lange Reihe leerer Flaſchen an der Wand und der mehr oder weniger gläſerne Ausdruck in den Augen der jungen Leute.
Die Wachtſtube war ein nicht eben großes Eckzimmer, das auf


