* Zweiter Band. 189
„Wenn ich nun katholiſch würde, Pfarrer?“ „Was meinen Sie damit?“ „Ich denke, wenn man katholiſch iſt, kann man thun, was man will, wenn man es nur hinterher dem Pfaffen ſagt. Der betet dann für Einen und dann iſt die Sache abgemacht.“ „So leicht geht das auch bei uns nicht,“ erwiderte der Pfarrer. „Ich will mir's auch gern ein Stück Geld koſten laſſen; es ſoll mir auf ein paar tauſend Thaler nicht ankommen,“ ſagte der Alte. „Hilft Alles nichts,“ brummte der Pfarrer;„einer oder der andre meiner Confratres würde ſich vielleicht anheiſchig machen, Sie um dieſen Preis mit der himmliſchen Gerechtigkeit zu verſöhnen; aber mit der irdiſchen Gerechtigkeit iſt die Sache nicht ganz ſo bequem, und ich fürchte: es kommt Ihnen auf die letztere mehr, als auf die erſte an.“ „Ihr könnt mir alſo nicht helfen?“
„Nein!“ „Nun, ſo könnt Ihr Euch zum Teufel ſcheeren!“ rief der Alte wüthend und griff nach einer zufällig neben ihm auf der Kiſte liegen⸗ den Streitaxt, um ſie ſeinem Beſucher an den Kopf zu ſchleudern.
Ohne Zweifel hätte er dieſe Abſicht auch ausgeführt, wenn nicht in demſelben Augenblick ſehr heftig an die Thür des Waffenſaales gepocht wäre.
„Wer iſt da?“ fragte Balthaſar, der ſeit einiger Zeit zwiſchen den Harniſchen und Helmen lauter als zuvor rumort hatte.
„Ich bin's, du Tölpel,“ antwortete eine kreiſchende Stimme, „willſt Du machen, daß Du nach Hauſe kommſt! willſt Du hier die ganze Nacht ſtecken?“
„Ich bin gleich fertig;“ erwiderte Balthaſar.
„Das will ich mir auch ausgebeten haben;“ ſagte die kreiſchende Stimme.
Das Geſpenſt im Schlafpelz war während dieſer Unterhaltung ſo weit als möglich an die Wand gerutſcht und hatte, an allen Gliedern zitternd, zuſammengekauert dageſeſſen. Auch Ambroſius hatte, trotz ſeines Muthes, ſich nach einer beſſern Waffe, als ſein Knotenſtock war, umgeſehen. Balthaſar trat heran und flüſterte:„Ich wußte es, daß ſie es nicht wagen würde hereinzukommen; ſie fürchtet ſich vor dem


