Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zeiter Band. 187

von allen Foruen aufgeſpeichert lagen und hingen. Ueberdies war das Gemach noch in der Länge und Breite von Geſtellen durchſchnitten, an welchen hunderte von Gewehren, Flinten, Büchſen, Karabinern und Piſtolen befeſtigt waren. Dazu Gerümpel aller Art, das hier und da den Boden ellenhoch bedeckte: zerbrochene Harniſche, eifernes Geräth, zertrümmerte Meubel— ein wüſtes Durcheinander, welches bewies, daß der Waffenſaal ſchon lange Jahre auch als Polterkammer benutzt wurde. Das Ganze erinnerte den Pfarrer ſo ſehr an Alles, was er in ſeinem Leben von mittelalterlichen Folterkammern und ähnlichen Schreckensorten gehört und geleſen, daß ſeine überdies ſchon aufge⸗ regte Phantaſie aus jedem Winkel, in welchen Balthaſars Laterne ihr verwirrendes Licht warf, ein unerhörtes Schreckbild heraufbeſchwor.

Und ein Bild des Schreckens bot ſich denn auch ſeinen Augen, als er plötzlich in einem abgelegenſten Winkel des Saales, wohin ihn Balthaſar geführt hatte, auf einer großen Kiſte eine zuſammenge⸗ kauerte Geſtalt ſitzen ſah, in der er er nur mit Mühe den alten Ge⸗ neral erkannte.

Der General hatte ſeine lange dürre Geſtalt in einen Schlafpelz gehüllt, den kahlen Schädel bedeckte eine langzipflige Nachtmütze. Das alte verwüſtete Geſicht war vor Furcht und Kälte noch mehr als ge⸗ wöhnlich zuſammengeſchrumpft; die dunkeln Augen, die ſonſt noch immer ſo zornige Blitze zu ſchießen verſtanden, waren gläſern und ſtarr; der lange weiße Schnurrbart, der bis dahin noch immer martialiſch genug ausgeſehen hatte, hing gleichgültig⸗albern über den zahnloſen Mund— der ganze Mann war, Alles in Allem, ein Bild des Jammers viel mehr, als des Schreckens, und bei dieſem Anblick hülfsbedürftiger Elendigkeit kam Ambroſius die Faſſung zurück, die er während der letzten Minuten einigermaßen eingebüßt hatte.

Der General murmelte Etwas, das Ambroſius nicht verſtand; Balthaſar aber klappte einen Feldſtuhl auf, der an der Wand lehnte, und lud den Pfarrer, indem er den Stuhl dicht an den Platz ſchob, wo der General ſaß, zum Niederſitzen ein. Dann ſtellte er die Laterne in einiger Entfernung ſo auf, daß ihr Schein auf die Beiden fiel, tauchte in das Dunkel, das den übrigen Theil des Raumes erfüllte, machte ſich mit den Rüſtungen zu ſchaffen und verurſachte dabei—