Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 49

Clärchen Münzer war bereits zum Ausgehen fertig, als die Ge⸗ ſellſchaft, ſie abzuholen, kam. Daß ihr Gatte auch diesmal— in Wahlangelegenheiten, wie Holm ſagte,— wie ſchon ſo oft, verhindert war, ſchien ſie ſehr zu verſtimmen.„Dann wollen wir auch zu Hauſe bleiben, Karl,“ ſagte ſie, indem ſie den Hut abnahm. Karl fing an zu weinen und wünſchte zu wiſſen: weshalb er denn heute den ganzen Nachmittag zu Hauſe geblieben ſei und ſeine Arbeiten gemacht habe, wenn er nun doch nicht zu Wilhelm Rupertus ſolle? und weshalb Mama ihn nicht auch ſchon vor einer Stunde zu Bett geſchickt habe, wie Ella'n, obgleich er keinen Huſten habe, und heute eine ganze Bank heraufgekommen ſei?— Onkel Holm ſchlug ſich in's Mittel, und ſeinem und der Andern Zureden gelang es, Clärchen zu bewegen, den Hut wieder aufzuſetzen, und auch Carl das Mitgehen zu erlauben.

„Ich thue es ungern,“ ſagte Clärchen;„ich fürchte, ich werde wenig zu Eurer Unterhaltung beitragen.“

„Iſt auch nicht nöthig,“ ſagte Holm;„denn wir beſtreiten die Koſten allein, der Holm und die Tante.“

Holm nahm wieder Tante Bella's Arm, während Peter mit den beiden anderen Damen voranging und Carl bald bei der einen, bald bei der anderen Gruppe war. Es dunkelte bereits ſtark, während ſie durch die engen Straßen ſchritten, in denen noch immer die drückende Schwüle des heißen Tages lag. Holm hatte ſeinen Strohhut in der Hand und verlangte einmal über das andere laut„nach des Stromes labendem Athem.“

„Nun hören Sie endlich einmal auf, Holmchen,“ ſagte Tante Bella,„wir kommen dadurch nicht eine Minute früher hin.“

„Eben ſo wenig, als Ihr durch Eure melancholiſchen Geſichter die Urſache eurer Melancholie aus dem Wege räumt,“ entgegnete Holm in ſeinem ernſten Ton.

Tante Bella kannte dieſen Ton ganz genau und wußte ſofort, daß der treue Freund ihr nur Gelegenheit geben wollte, ſich auszu⸗ ſprechen. Wie ſehr ihr dies ein Bedürfniß war, bewies der Umſtand, daß ſie ſofort in Thränen ausbrach und ſchluchzend ſagte:„Ach, Holmchen, wir ſind einmal wieder recht unglücklich.“

„Das ſehe ich,“ erwiderte Holm,„und das ſchmerzt mich, um

Fr. Spielhagen's Werke. VIII. 4