48 Die von Hohenſtein.
ſein, wenn ihn ein Faktum, das ihm ſonſt das höchſte Intereſſe ein⸗ geflößt haben würde, ſo gleichgiltig laſſen konnte.
„Und was meinen Sie dazu, daß Münzer die Aufforderung des Präſidenten, ihn zu beſuchen, angenommen hat und in dieſem Augen⸗ blick auf dem Wege zu ihm iſt?“
„Das iſt nicht möglich,“ ſagte Peter Schmitz, ſich auf dem Ab⸗ ſatz herum zu Holm wendend mit großer Heftigkeit.
„Was ich Ihnen ſage.“
„Münzer läßt ſich in einen perſönlichen Verkehr mit unſern ſchlimmſten Feinden ein,“ fuhr Peter, dicht vor Holm tretend, leiden⸗ ſchaftlich fort;„mit dieſem Präſidenten, der ſo glattzüngig und ſo falſch iſt, wie ſie Alle ſind, dieſe Hohenſteins, die Gott ver—“
Er ſchlug ſich vor den Kopf:„ruhig, Peter, ruhig!“ murmelte er, trat an's Fenſter und trommelte mit den Fingern gegen die Scheiben.
Holm hatte Peter während ihrer vieljährigen Bekanntſchaft noch nie ſo aufgeregt geſehen. Die Gewißheit, daß ſeinen Freunden ein Leid zugeſtoßen ſein mußte, legte ſich wie ein Alp auf des braven Mannes Seele. Aber ſein unverwüſtlicher Lebensmuth ließ ſich nicht ſo leicht einſchüchtern.
„Hören Sie, Schmitzorum,“ ſagte er,„was Ihnen auch paſſirt ſein mag— eine Kleinigkeit wird's juſt nicht geweſen ſein, das ſehe ich Ihnen wohl an; aber— auch Patroklus iſt geſtorben und er war mehr, als Du. Sie haben in Ihrem Leben ſchon ſo viel Schlimmes erfahren,— da mag das nun ſo mit in den Kauf gehen. Sie wiſſen, daß mir das Schickſal gerade auch nicht allzuglimpflich mitgeſpielt hat; aber ich ſage mit dem Prediger: Alles iſt eitel: Freud' und Leid und Leid und Freud', nur das Eine nicht, daß man ein ehrlicher Kerl iſt und bleiben wird, trotz allen Schelmen und Hallunken. Das iſt die Hauptſache, mit der verglichen alles Andere eigentlich nur Spaß iſt. Und nun kommen Sie, ich höre Tante Bella ſchon mit ihrem Schlüſſelbund. Und noch Eines, Schmitz: ſagen Sie den Frauen und vor Allem Clärchen nicht, wo Münzer iſt. Ich halte, offen ge⸗ ſtanden, die Sache gar nicht für ſo wichtig; aber es iſt doch beſſer... Ei, da ſind ſie, die Hulden; nun auf zum milden Rupertus!“


