Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 45

Röthe auf Tante Bella's Wangen und ein gewiſſer kriegeriſcher Aus⸗ druck in ihren energiſchen Zügen deuteten darauf hin, daß die gute Dame ſo eben einen längeren Vortrag gehalten hatte, der durch Holm's Ankunft in der Mitte durchgeſchnitten war.

„Seid mir gegrüßt mit freudigem Herzen und Freude ſei mit Euch!“ rief Dr. Holm, Petern die Hand ſchüttelnd und dann zu den Damen im Erker tretend, um Tante Bella ebenfalls die Hand zu reichen und ſich vor Fräulein Ottilie mit ſeiner liebenswürdigen Gran⸗ dezza zu verneigen..

„Freude!“ ſagte Tante Bella und dabei zuckte ein zorniger Blitz aus ihren großen dunkeln Schmitz'ſchen Augen;„wahrhaftig, wir haben auch Urſache dazu!“

„Dieſes wäre mir lieb, doch gar nicht ſcheint es der Fall mir!“ erwiderte Holm, auf einem Stuhl in der Nähe des Fenſtertritts Platz nehmend und den breiträndrigen Strghhut auf dem Stock zwiſchen die Kniee nehmend.

„Was ſagen Sie denn zu dem armen Cajus?“ fragte Peter, ohne in ſeiner raſtloſen Wanderung zwiſchen Waſhington und der Kukuksuhr inne zu halten.

„Daß er ein Help iſt!“ erwiderte Holm mit Emphaſe und obli⸗ gatem Aufſtampfen ſeines Stockes.

„Daß er ein Narr iſt!“ ſagte Tante Bella.

„Narrorum?“ fragte Holin verwunhert.

„Iſt es etwa keine Narretei, mit Inem gebrochenen Arm ein lange ausgeſchlagene Stunde dazuſitzen, um Euer gelehrtes Wiſchi⸗ waſchi zu corrigiren, daß Doetor Brand ihm hernach den Aermel vom Leibe ſchneiden muß und ſelber ſagt: ſo etwas ſei ihm in ſeiner ganzen Praxis noch nicht vorgekommen? iſt es denn nichtteine eben ſo große Narretei, daß eb nicht hier bei uns bleiben will, dit wir Raum die Hülle und Fülle unv Alles haben, was et braucht? daß er durchaus in ſeine elende Hofwohnung, in die weder Sonne noch Mond ſcheint, gebracht werden muß? daß er Niemand um ſich haben will, als eine alte tabakſchnupfende Wartefrau? daß er kein Geld von Peter nehmen will und großartig erklärt: er habe immer ein paar Thaler für den Fall, wo er nicht arbeiten könne, übrig?— Ich habe