Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 39

„O, Papa war gar nicht bös; er fragte: ob ich heraufgekommen wäre und da ſagte ich: ja, eine ganze Bank, und da ſagte er: das wäre ſchön und ich ſolle Dich grüßen und da hat er mir einen Kuß gegeben— aber Mama, ich bin ſo hungrig!“

„Gleich, Kind, gleich!“

„Aber Du weinſt ja, Mama!“

„Du biſt nicht klug! es iſt mir was in's Auge geflogen, kommt.“

„Ja, Mama, ich bin auch wem begegnet!“ ſagte Ella;„Onkel Peter! und Onkel Peter ſagte: er wolle Dich heute Abend mit Tante Bella und der neuen Tante zum Spazierengehen abholen. Können wir nicht mit?“

*„Wenn Ihr Eure Arbeiten fertig habt und es nicht zu ſpät wird

WährendClärchen in der Sorge für ihre Kleinen den tödtlichen Schmerz um ihr verlorenes Eden, der ſie noch nie ſo mitleidslos grauſam gepackt hatte, wie heute, zu betäuben ſuchte, ſchleppte ſich ihr Gatte durch die ſonnebeſchienenen engen und winkligen Gaſſen den

tauſendmal durchſchrittenen Weg nach der Redaction. Die Begegnung mit ſeinem Knaben hatte ihn wieder an das erinnert, was er ſo gern vergeſſen hätte, vergeſſen mußte, wenn er ſein Tagewerk mit gewohnter Sorgſamkeit vollenden wollte. Als der Kleine mit ſeinem fröhlichen unſchuldigen Geſicht zu ihm emporgeſchaut hatte, war es ihm aufge⸗ fallen, daß er ſich zu ein paar freundlichen Worten förmlich hatte zwingen müſſen. Er hatte nichts dabei empfunden; es war ihm ge⸗ weſen, als ob die Saiten ſeines Herzens zerriſſen wären und keinen Ton mehr gäben.

„So iſt es recht,“ murmelte er vor ſich hin, während er, ohne die Augen von dem Straßenpflaſter zu erheben, langſam weiterſchritt; „des Menſchen Sohn darf nicht haben, wohin er ſein Haupt lege.— Sei ruhig, Clärchen, wenn ich Dich nicht lieben kann, wie Du geliebt zu ſein wünſchſt, geliebt zu werden verdienſt,— ſo iſt es wahrlich nicht, weil ich eine Andre liebte. Das ſchöne Weib vorgeſtern Abend blickte mich an mit triumphſtrahlenden Augen, die deutlich ſagten: wie Du Dich ſträubſt, Du biſt ja doch mein eigen! Du triumphirteſt zu früh, ſchönes Weib! Es iſt ja doch nur der alte Traum— und