Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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40 Die von Hohenſtein.

auch die Traumesbande ſtreife ich ab, wie ich ſie abgeſtreift habe die anderen Bande, die der Menſch ſich ſchuf in ſeines Sinnes Thorheit. Wie heißt es doch, das grauſe Wort von dem Haß, den wir der Welt ſchwören müſſen, bevor wir dem Heiland folgen können, der die Welt befreit? Ich will dem Rufe folgen, der an mich ergangen iſt, will ihm folgen, ohne nach rechts und links zu ſehen: es iſt mein Schickſal; ich kann nicht anders.“

So, in dumpfem Grübeln, das ihm keinen Troſt und keine Klar⸗ heit brachte und bringen konnte, verloren, erreichte Münzer endlich das alte Haus in der Ufergaſſe. Er athmete tief auf, als er über die Schwelle ſchritt. Wie eine ſchwere Laſt fiel es von ſeiner Seele. Hier war die Arbeit, die mitleidsloſe, barmherzige Arbeit; vor ihrem ſtrengen klaren Auge wichen die Eumeniden, die ſich an ſeine Ferſen hefteten.

In dem Redactionszimmer fand er den Dr. Holm noch ganz aufgeregt von den Ereigniſſen des Nachmittags. Der eiſenköpfige Cajus hatte nicht geruht, bis er von Tante Bella die Erlaubniß, in ſeine Wohnung gebracht werden zu dürfen, ertrotzt hatte. Tante Bella hatte nachgegeben, aber erſt, nachdem der Arzt erklärt: er glaube, es werde zur Beruhigung des Leidenden beitragen, wenn man ſeinen Wunſch erfülle. So war denn Cajus vor einer Stunde in Begleitung Tante Bella's, die ſich das nicht nehmen ließ, und des Arztes in einer Droſchke abgefahren. Peter Schmitz war ſchon den ganzen Nachmittag in Geſchäften aus; Dr. Holm war ſeelenfroh, daß endlich Jemand kam, der ihm bei der Arbeit helfen und dem er ſein Herz ausſchütten konnte. Er war in durchaus mittheilſamer Stimmung, aber Münzer war noch ſtiller und verſchloſſener als ſonſt, und Holm ließ ihn gewähren, nachdem einige Verſuche, über der Arbeit ein Ge⸗ ſpräch anzuknüpfen, vergeblich geweſen waren. Als aber gegen Abend die Arbeit gethan, die letzte Fahne corrigirt durch das Fenſterchen in die Setzerſtube gewandert, die Briefe beantwortet, die eingelaufenen Korreſpondenzen, die nicht mehr in das Abendblatt konnten, für mor⸗ gen zurecht geſtrichen und geſtutzt waren, und Münzer nach einem neuen Bogen langte und die Feder nvg einmal in das Tintenfaß