Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 37

„Ich weiß es nicht, Bernhard; aber Du ſelbſt haſt mich gelehrt, daß kein Geheimniß zwiſchen uns ſein dürfe. Es wäre beſſer gewor⸗ den, wenn ich das früher begriffen hätte. Oder begriffen hab' ich's auch wohl, aber— Du kennſt mich ja, daß ich nicht immer ſprechen kann, wie ich möchte.“

„Es wäre beſſer geworden,“ ſagte Münzer mit dumpfer Stimme; „ja wohl, Clärchen; aber vielleicht haſt Du nicht allein Schuld; viel⸗ leicht hätte auch ich noch offener ſein können. Laß uns in Zukunft verſtändiger ſein. Wir meinen es ja Beide gut, und laß uns unſere Herzen nicht noch ſchwerer machen; dafür ſorgt die Zeit wahrlich zur Genüge. Adieu, Clärchen; es kann noch Alles beſſer werden.“

Er zog ſeine Gattin an ſeine Bruſt und küßte ſie. Dann ging er, ohne ſich noch einmal nach ihr umzuſehen, aus dem Zimmer.

Clärchen ſchwankte, einer Ohnmacht nahe, nach dem beſcheidenen Sopha, und ließ, ihr Geſicht in den Händen verbergend, der mühſam zurückgehaltenen Thränenfluth freien Lauf. Wer ſie ſo weinen ſah, wer ihren ganzen Körper von der Leidenſchaftlichkeit ihres Schmerzes zittern und beben ſah— er würde voll Erſtaunen gefragt haben, ob dies das ſtille, ruhige Clärchen ſei, deren gelaſſenes Temperament im Kreiſe der Bekannten ſprüchwörtlich war.

Nach einiger Zeit riß ſie ſich gewaltſam empor, trocknete mit einer Miene mehr des Zornes als des Schmerzes ihre Thränen und ſtarrte, den Kopf in die Hand ſtützend, düſter vor ſich nieder.

„Es kann noch Alles beſſer werden,“ murmelte ſie;„und in wel⸗ chem Ton er das ſagte! er glaubt ja ſelber nicht daran. Was brauchte beſſer zu werden, wenn er mich liebte? wie kann es beſſer werden, wenn er mich nicht liebt? Und er liebt mich nicht; hat mich nie ge⸗ liebt, ſo, wie er lieben kann. Er liebt auch ſeine Kinder nicht. Wir ſind ihm eine Laſt, die er trägt, weil er muß, weil er zu ſtolz iſt, um einzugeſtehen, daß ſeine Heirath ein Fehler war. Aber ich bin nicht minder ſtolz; es ſind meine Kinder, wie es ſeine ſind; wir wollen ihm nicht länger zur Laſt fallen. Er ſoll wieder frei werden, wie er es vorher war; er ſoll in ſeinen Plänen, in ſeinen Arbeiten nicht länger gehemmt werden; er ſoll ſeine Kraft nicht länger an uns verſchwenden. Wir wollen ihm aus dem Wege gehen— weit, weit, daß ihm ſelbſt