Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 2

Augenblicke den Rücken wandte, nach der Wohnutg des Herrn Stadt⸗ raths von Hohenſtein zu fragen. Die Dame kehrte ſich auf das höf⸗ liche:„Erlauben Sie, Madame—“ um und der Präſident erkannte zu ſeinem Erſtaunen das ſchöne junge Mädchen, das er vor einer Stunde in dem Giebelfenſter des Schmitz'ſchen Hauſes geſehen hatte. Das reizende Geſicht des Mädchens trng unverkennbare Spuren von Schmerz oder Beſtürzung, ja der Präſident glaubte zu bemerken, daß die großen blauen Augen noch eben erſt geweint hatten.

Ah, mein Fräulein, ich hatte, wenn ich nicht ſehr irre, heute Nachmittag ſchon einmal das Vergnügen; verzeihen Sie mir, als einem nahen Verwandten der Schmitz'ſchen Familie die Neugier, mich nach Ihrem Namen zu erkundigen; ich heiße von Hohenſtein, Präſi⸗ dent von Hohenſtein.“

Und der Präſident verbeugte ſich anmuthig, den Hut über dem rechten Ohre haltend.

„Mein Name iſt Ottilie Schmitz,“ erwiderte das junge Mädchen, dem, als der Präſtdent ſeinen Namen nannte, das Blut in die Wangen geſchoſſen war.

Der nahe Verwandte der Familie Schmitz war in der Genealogie dieſes ehrenwerthen Geſchlechts keineswegs hinreichend bewandert, um durch dieſe kurze Antwort vollkommen befriedigt zu werden. Er ſagte deshalb:„Ah, in der That, Fräulein Ottilie Schmitz? Ich erinnere mich. Und Sie haben einen Trauerfall in der Familie gehabt, Fräu⸗ lein Schmitz?“

„Mein Vater,“ erwiderte Ottilie, deren Verwirrung mit jedem Augenblick größer wurde.

„O!“ ſagte der Präſident,„das iſt ja recht ſchmerzlich. Ihr Herr Vater!— Aber ich halte Sie in unverantwortlicher Weiſe auf. Ich hoffe, noch öfter das Vergnügen zu haben—“

Der Präſident trat mit einer tiefen Verbeugung auf die Seite, und Ottilie entfernte ſich eilends, nachdem ſie mit niedergeſchlagenen Augen und hoch erröthenden Wangen den Gruß kaum erwidert hatte.

„Hm!“ murmelte der Präſident,„ein hübſches Mädchen; Ottilie Schmitz, Nichte oder ſo was vermuthlich meiner vortrefflichen Schwägerin, möglicherweiſe in einiger Zeit auch mit uns verſchwägert.