14 Die von Hohenſtein.
„Vor der Hand nicht; ich weiß in dieſem Augenblicke keine mir bekannte Familie, der ich den Burſchen vortheilhaft empfehlen könnte.“
„So ſchicken Sie ihn zu mir.“
„Zu Ihnen?“
„Aber, lieber College, wo haben Sie heute Ihren von mir ſo oft bewunderten Scharfſinn? Sehen Sie denn nicht, wie uns der Zufall da die Karten ſo glücklich gemiſcht hat, daß wir ſie gar nicht beſſer wünſchen können?“
„Ich geſtehe zu meiner Beſchämung, daß ich Ihre Combinationen nur zum Theil ahne. Mein Kopf iſt heute etwas eingenommen und dann— dies wunderliche Project, Ihre reizende Camilla— eine ſo abenteuerliche Verbindung—“
„Pah!“ ſagte der Präſident lächelnd,„dieſe Familienangelegenheit muß für den Augenblick hinter den Staatsangelegenheiten zurücktreten. Die Sache eilt auch nicht ſo; aber in acht Tagen finden die Wahlen ſtatt und unter einem Miniſterium Münzer zu dienen, wäre uns doch Beiden unbequem. Meinen Sie nicht?“
Der kleine Medicinalrath ſchlug ſich vor die Stirn:
„Gott, wie dumm ich war! Freilich, freilich! die Sache iſt von Wichtigkeit. Was gedenken Sie aber zu thun?“
Der Präſident lächelte:
„Das weiß ich ſelbſt noch nicht, lieber College; ich weiß nur, daß Münzer ein Poet und ein Schwärmer, das heißt verführbar, und Antonie die verführeriſchſte aller Sirenen iſt. Doch da höre ich, daß mein Wagen vorfährt. Ich wollte zum Oberpräſidenten; be⸗ gleiten Sie mich eine Strecke. Wir überlegen unterwegs noch, wie die Sache anzufaſſen iſt. Aber, eh' ich's vergeſſe: ſchaffen Sie mir noch heute den Jean! Können Sie?“
„Ohne Zweifel.“
„Eh bien! gehen wir. Bitte, bitte, nach Ihnen!“


