Teil eines Werkes 
8. Band, Die von Hohenstein : Roman : 2. Band (1867)
Entstehung
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Zweiter Band. 13

ſie ähnelt in dieſer Hinſicht ihrer ſchönen Tante Antonie. Apropos, Herr Präſident, haben Sie denn ſchon von der neueſten Extravaganz der reizenden Wittwe gehört?

Schon wieder? ſeufzte der Präſident,dieſe Frau wird mich

purch ihre Thorheiten noch zur Verzweiflung bringen.

9So wiſſen Sie nicht, daß ihr vorgeſtern Abend bei dem Crawall der Pöbel die Fenſter hat einwerfen wollen? daß Münzer ſie aus dieſer Gefahr gerettet hat? und zum Dank dafür mit einem köſtlichen Souper unter vier Augen bewirthet worden iſt? Das Alles wiſſen Sie nicht?

Nur, daß vor ihrem Hauſe ein Auflauf ſtattgefunden hat; von Münzers Einmiſchung kein Wort; aber ich bin Ihnen verpflichtet für dieſe Mittheilung; die Sache ſcheint mir von einiger Wichtigkeit. Ein Souper, ſagten Sie! und téteatéte? Aber, von wem haben Sie das?.

Von der gnädigen Frau ſelbſt, die mir die heilloſe Affaire vor einer halben Stunde unter Scherzen und Lachen mit allen Details erzählt hat.

Mit allen Details? flüſterte der Präſident.

Die beiden Herren ſahen ſich ein paar Secunden lang mit einem eigenthümlichen Blick des Einverſtändniſſes in den Augen.

Aber welchen Grund kann ſie gehabt haben, Ihnen das Ge⸗ heimniß mitzutheilen? begann der Präſident von neuem.

Weil es eben kein Geheimniß mehr iſt, weil der Obriſt, Ihr Herr Bruder, brutaler Weiſe das reizende téte-ktéte geſtört hat um elf Uhr in nachtſchlafender Zeit es iſt in der That himmelſchreiend.

Auch das hat ſie Ihnen erzählt?

Nein nicht ſie, ſondern ihr Kammerdiener Jean, der ein boshafter Affe, wie er iſt den unbequemen Beſuch nicht abgewieſen hat und in Folge deſſen noch an demſelben Abend aus dem Dienſt gejagt wurde. Der arme Teufel nebenbei ein Client von mir iſt heute Morgen zu mir gekommen, hat mir ſein Leid geklagt und mich gebeten, ihn anderweitig zu placiren.

Und haben Sie ihm eine Stelle verſchafft?