Erſter Band. 207
Margarethe wurde roth und ſah in ihrer Verlegenheit ſo hold verſchämt und jungfräulich aus, als habe ſie ſelbſt ein Liebesgeſtänd⸗ niß abzulegen.
„Du machſt mich äußerſt neugierig;“ ſagte der Stadtrath, „was iſt's?“
„Ich habe Dir eine große Neuigkeit mitzutheilen, Arthur.“
„Ich Dir ebenfalls, liebes Gretchen;“ erwiderte er;„ſo fang' Du nur an, damit wir endlich einmal aus der Stelle kommen.“
Das war wieder der alte, herbe, liebloſe Ton, der Gretchen ſchon ſo oft ſo unglücklich gemacht hatte. Es war ihr mit einem Male, als könne ſie dieſem Manne nicht ſagen, was ſie ſo eben gehört: das Herzensgeheimniß ihres Lieblings, ihres Abgotts. Und doch: er ſah ſo angegriffen, ſo verfallen aus; er hatte gewiß wieder rechte Sorgen gehabt; bedurfte einer Freude gewiß recht ſehr.
„Es iſt nur vies, Arthur;“ ſagte Margarethe mit einer Ent⸗ ſchloffenheit, die ihr alles Blut in die Wangen trieb;„Wolfgang hat in Rheinfelden noch größere Eroberungen gemacht, als wir gedacht haben und er uns geſchrieben hat. Er ſteht nicht nur bei der Excel⸗ lenz in großer Gunſt, auch die Präſidentin hat ihn ſehr ausgezeichnet und Camilla— nun, es muß doch heraus und Du wirſt auch gewiß nicht ungehalten ſein: Camilla liebt den Wolfgang..
„Und Wolfgang?“ fragte der Stedtrath haſtig und vor Auf⸗ regung bleich;„und Wolfgang?“
„Er hat ſie auch recht gern,“ erwiderte Margarethe, die das Wort:„er liebt ſie“ nicht über die Lippen bringen konnte.
„Das iſt eine Nachricht!“ rief der Stadtrath, indem er ſeine Gattin— diesmal ohne alle Affectation— umarmte.„Nun ſollſt Du aber auch meine Neuigkeit hören; ſieh' hier: vom Alten— eigen⸗ händig— mußt Dich an die Worte nicht ſtoßen— ſo ein alter Herr drückt ſich manchmal wunderlich aus— nun, was ſagſt Du? iſt das
nicht ein Glück?“ „Ja, aber—“ ſagte Margarethe.
„Was aber! kein Aber!“ rief der Stadtrath, der aufgeſtanden war und mit großen Schritten im Zimmer umherging.„Wenn der Alte Ja ſagt, können die Andern nicht Nein ſagen; ich kenne ſie.“


