Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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206 Die von Hohenſtein.

Dann ſtand ſie leiſe auf, küßte den Schlafenden auf die Stirn und verließ geräuſchlos das Zimmer. Es verlangte ſie, ihren Gatten, der in dieſen letzten Tagen ſo viel Sorge und Arbeit gehabt hatte, eine Botſchaft zu bringen, von der ſie wußte, daß ſie für ihn eine frohe ſein würde.

Der Stadtrath war eben im Begriff, ſich(mit dem Brief des Alten in der Bruſttaſche) hinaufzubegeben und hatte ſich ſchon nach der Thür gewandt, als leiſe an dieſelbe geklopft wurde und auf ſein Herein! ſeine Gattin in's Zimmer trat.

Margarethe eilte auf ihn zu und ſchlang die Arme um ihn. Ich habe Dich ſo lange nicht geſehen, Arthur! ſagte ſie, wie zur Entſchuldigung einer Zärtlichkeit, die allerdings in dieſer freud⸗ loſen Ehe zu den Seltenheiten gehörte.

Herr von Hohenſtein hatte die Liebkoſungen ſeiner Gattin mit

einer bei ihm ſehr ungewöhnlichen Wärme erwidert. Er fühlte das lebhafte Bedürfniß, in dem verhängnißvollen Spiel, das ihm ſo günſtige Karten in die Hand gegeben hatte, ſeine Gattin auf ſeiner Seite zu haben. Wußte er doch, wie groß ihr Einfluß auf Wolf⸗ gang war! Sehr lange nicht, Gretchen, ſagte er, während er, ſeinen Arm um ihren noch immer jugendlich ſchlanken Leib legend, ſie nach dem Sopha führte und an ihrer Seite Platz nahm.Es waren ein paar heiße Tage für mich; und für Dich auch, Du armes Kind! erſt ſelbſt krank, dann der Wolfgang krank! Aber es geht doch gut, nicht?

Beſſer wenigſtens, erwiderte Margarethe, in herzlicher Dank⸗ barkeit für ihres Gatten Freundlichkeit ſeine Hand an ihre Lippen drückend;ja, ich glaube, gut wir haben eben ein langes, langes Geſpräch mit einander gehabt.

Margarethe lächelte und ſah ihren Gatten halb ängſtlich, halb

ſchalkhaft an. Sie war es ſo wenig gewohnt, ihn zum Vertrauten

zu haben! ſie wußte ſich nicht in dieſe Situation zu finden, trotzdem

ſie mit Beſtimmtheit annahm, daß die Nachricht, welche ſie ihm mit⸗

theilen wollte, ihn angenehm berühren würde.

Ein langes Geſpräch, ſagte der Stadtrath;und worüher denn, wenn man unbeſcheiden genug ſein darf, das zu fragen.