Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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Die von Hohenſtein.

welches ſie an ihre eigne die Schmitz'ſche Familie knüpfte, vollends zerreißen? würde ihr Bruder Peter der ſo tief beleidigte, ſo ſcheu gemiedene und doch noch immer ſo innig geliebte nicht mit doppeltem Recht behaupten können, was er ihr einſt mit Thränen in den Augen geklagt: daß ſie ſich äußerlich und innerlich von ihm und ihren andern Blutsverwandten losgeſagt habe? Und gerade jetzt hatte ſie ſich mit dem Gedanken getragen, durch die Liebe, die ſie der verwaiſten Nichte beweiſen wollte, ihren Geſchwiſtern zu zeigen, daß ſie noch mit ihnen in Liebe und Treue verbunden ſei!

Aber auf der andern Seite! wurde nicht ſo der Fluch von ihr genommen, unter dem ſie fo ſchwer gelitten: daß ſie, und ſie allein, ihren Gatten mit ſeiner Familie entzweit, ihn aus ſeiner Laufbahn geriſſen, ihn zu dem unglücklichen Manne gemacht habe, der zu ſein, er ſich ſo oft und ſo bitter beklagte? Mußte ſie dagegen mit ihren Intereſſen nicht zurückſtehen? und nun gar, wenn Wolfgang ſo wirk⸗ lich das Glück fände, das ſie dem geliebten Kinde aus tiefſtem Her⸗ zensgrunde wünſchte? Konnte, durfte ſie nur einen Augenblick zweifeln, was ihr in dieſem Falle zu thun oblag?

Dennoch war es ein ſehr ſchmerzliches Lächeln, das um Mar⸗ garethens Lippen ſchwebte, als ſie jetzt die Wimpern hob und Wolf⸗ gang mit einem zärtlichen Blick tief in die Augen ſchauend, leiſe ſagte: Du lieber Junge, Du kannſt nicht glücklich ſein, ohne daß ich mit Dir zufrieden bin, und ich kann nicht zufrieden ſein, ohne daß ich Dich glücklich weiß. So liebe Deine Camilla und ſei glücklich; aber Wolf, behalte auch Deine arme Mutter noch ein wenig lieb!

Die Thränen ſtürzten ihr bei dieſen Worten aus den Augen und ſchluchzend verbarg ſie ihr Geſicht an ihres Sohnes Bruſt.

Du haſt noch etwas auf dem Herzen, Mutter; ſagte Wolf⸗ gang;Du biſt doch nicht ganz zufrieden mit mir! Sprich es aus, Mutter! Du haſt ja immer behauptet, daß Du mir Alles ſagen könnteſt! Bitte, bitte, lieb', lieb' Mütterchen, ſag' mir Alles, was Du auf dem Herzen haſt! Dein Herz muß heute ſo leicht ſein, wie das meinige. Was haſt Du?

Es iſt nichts, gewiß nichts! fagte Margarethe, ſich wieder auf⸗ richtend und ihre Thränen trocknend;Du biſt ja ſo gut und ſo klug;