Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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Die von Hohenſtein.

Und weißt Du, liebes Herz, fing die Mutter wieder an, in⸗ dem ſie zärtlich des Sohnes Hände ſtreichelte,daß Du in Deinen Phantaſien faſt nur von Ottilien geſprochen haſt? daß Du lange Zwiegeſpräche mit ihr geführt haſt?

Mit Ottilien? fragte Wolfgang, und ſeine bleichen Wangen rötheten ſich;biſt Du gewiß, daß ich mit Ottilien und von Ottilien geſprochen habe?

Ob ich gewiß bin! ſagte Margarethe lächelnd;nun, ihren Namen haſt Du wenigſtens oft genug genannt.

Sonderbar, ſonderbar, murmelte Wolfgang.

Was iſt dabei ſo ſonderbar, mein Herzensjunge? fragte Mar⸗ garethe;aber da plaudern und plaudern wir und Du ſollſt ganz ruhig ſein, hat der Medicinalrath geſagt. Ich bin eine ſchöne Kran⸗ kenwärterin. So! jetzt ſtill gelegen und nicht den Mund geöffnet!

Nein, nein, erwiderte Wolfgang lebhaft;laß uns plaudern; ich fühle mich vollkommen wohl und habe Dir ſo viel zu ſagen.

Was iſt's, lieb Herz? ſagte Margarethe.

Wolfgang ſtreckte die Arme aus und zog die Mutter zu ſich auf den Rand des Bettes, wie er es als Kind und Knabe gethan, wenn er ihr ſeine kindiſchen und knabenhaften Geheimniſſe gläubig anver⸗ traute, und ebenſo gläubig wie damals, vertraute er nun der lieben Mutter ſein letztes, großes Jünglings⸗Geheimniß, das Geheimniß ſeiner Liebe zu Camilla ſtockend im Anfang und erröthend, und dann, als er erſt einmal das große Wort ausgeſprochen, lebhaft und beredt, wie es ſeine Art war, all die kleinen Nebenumſtände ſeines Liebes⸗Romans, all' die Hoffnungen, Zweifel, Bedenken, Alles, was in den letzten Tagen ſein edles Herz erfüllt, ſeinen hellen Geiſt be⸗ ſchäftigt hatte.

Nun habe ich Alles gebeichtet, lieb Mütterchen, ſchloß der Jüngling;jetzt aber ſage Du mir, ob Du mit mir zufrieden biſt, denn, bevor ich das ſicher weiß, kann ich doch nicht ſo glücklich ſein, wie ich es ſo gern ſein möchte.

Margarethe antwortete nicht gleich, weil es ihr bei dem Chaos widerſprechendſter Gefühle, welche während Wolfgangs langer Erzäh⸗ luug ihre Seele erfüllt hatten, in der That unmöglich war, ſeine