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Die von Hohenſtein.
Einundzwanzigſtes Capitel.
Als Wolfgang am Mittag des zweiten Tages ſeiner Rückkehr von Rheinfelden aus einem tiefen, traumloſen, erquickenden Schlaf, in welchem die heraufdrohende Krankheit ſich glücklich gebrochen hatte, erwachte, dauerte es eine geraume Zeit, bevor er ſich beſinnen konnte, wo er war, wie er hierher gekommen und weshalb ſeine Mutter, die an ſeinem Bette ſaß, mit hellen Freudenthränen in den lieben ſanften dunklen Augen ſich ſo zärtlich beſorgt über ihn beugte.
„Ich bin wohl krank geweſen, Mutter?“ ſagte Wolfgang, die Liebkoſungen und Küſſe erwidernd.
„Recht krank!“ erwiderte Margarethe;„zwei böſe, böſe Tage lang haſt Du Dein armes Mütterchen geängſtigt; aber nun iſt es gut; wenn Du mit hellen Augen erwachteſt, hat der Medicinalrath, der vor einer Stunde hier war, geſagt, wäre es gut; und Du biſt mit hellen Augen erwacht, mein Liebling— aber nun mußt Du ruhig liegen, ganz ruhig, und darfſt gar nicht ſprechen und Dich aufregen, damit Du nicht wieder krank wirſt, mein Herzensjunge!“
Wolfgang ſank wieder auf ſein Lager zurück. Die Mutter glättete ſein Kiſſen und ſeine Decke, ſtand auf und ließ das Rouleau her⸗ unter, um die helle Mittagsſonne auszuſchließen, ſetzte ſich dann wieder zu ihm an's Bett, nahm eine ſeiner Hände in ihre Hände und lächelte ihm freundlich zu mit liebevollem Blick.
Wie er ſo, ſich ſtumm des wiedergewonnenen Lebens freuend, halb wachend und halb träumend dalag, zog die Erinnerung der letzten Tage in hellen klaren Bildern durch ſeine ſabbath⸗ſtille, tief erquickte Seele. Und im Vordergrund all' dieſer Bilder bewegte ſich die zierlich⸗ſchlanke Geſtalt eines wunderſchönen Mädchens, das ſich bald mit neckiſcher Schalkheit zu ihm wendet, bald ſich mit ſcheuem Zagen
von ihm zu entfernen ſcheint und endlich liebeglühend und liebe⸗ heiſchend an ſeine Bruſt ſinkt. Da zieht plötzlich eine dunkle Wolke herauf und löſcht die hellen, ſonnigen Bilder aus; das Mädchen,


