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Erſter Band. 199
Rührſeligkeit der gänzlichen Erſchöpfung und Nervenſchwäche gelobte er ſich, von jetzt an, wenn er dem drohenden Verderben wirklich ent⸗ rinnen ſollte, ein guter Menſch zu werden, ein zärtlicher Gatte, ein liebender Vater, ein rechtlicher billiger Geſchäftsmann.
Doch dauerte dieſe weiche Stimmung nicht lange. Zum Fromm⸗ ſein hatte es noch immer Zeit, wenn nur erſt die rechte Sicherheit vorhanden war und an der fehlte noch viel. Bis jetzt war Alles nur Hoffnung, Möglichkeit, Wahrſcheinlichkeit— und vielleicht auch nicht einmal das! Wenn nun Wolfgang ſich weigerte, auf den Wunſch des Alten einzugehen! Wolfgang hatte nie die geringſte Neigung für den Soldatenſtand blicken laſſen, hatte ſich im Gegentheil während ſeiner Dienſtzeit oft bitter über die unnöthigen Scheerereien und den Kleinkram des Gamaſchendienſtes beklagt. Und dann! Wolfgang war ein ſehr ſelbſtſtändiger Charakter, der ſich nicht leicht durch den Schein blenden ließ;— ſollte ſeine glänzende Couſine ihn nicht viel eher abgeſtoßen als angezogen haben?— Dem Stadtrath war es bei dem Beſuch neulich in Rheinfelden faſt ſo vorgekommen. Und dann des Jungen Liberalismus! ſeine oft ausgeſprochene Antipathie gegen ſeine adeligen Verwandten und die unverkennbare Achtung, die er dem tüch⸗ tigen Weſen ſeines Onkels Peter Schmitz und ſeiner Tante Bella ſchenkte! Seine Freundſchaft endlich zu Münzer, von dem er ſtets in Ausdrücken der Anerkennung und Hochſchätzung ſprach, die den Stadt⸗ rath nur ſchon zu oft bitter gekränkt hatten.. Nein, nein! es war noch nichts gewiß; Alles noch in einer peinlichen, unheimlichen Schwebe!
Der Stadtrath ſprang von ſeinem Stuhl wieder empor und ſchritt im Zimmer auf und ab, ohne den Muth zu finden, ſeiner Gattin, die er jetzt ſeit beinahe zwei Tagen nicht geſehen hatte, unter die Augen zu treten und mit Wolfgang zu ſprechen, der, wie Urſel berichtet hatte, ſchon ſeit einer Stunde mit der gnädigen Frau ganz munter ſich unterhalte.


