194 Die von Hohenſtein.
um Wolfgang zu thun war, lag auf der Hand; vielleicht, daß er dem Sohn gewährte, was er dem Vater rund abſchlagen würde! Und nun mußte Wolfgang krank ſein!
Der Stadtrath warf ſeinen Schlafrock ab— er ließ ſich von den Seinen, wenn es irgend zu vermeiden war, nie im Negligé ſehen— kleidete ſich an und ging die Treppen hinauf in das Krankenzimmer. Er fand Urſel am Bett ſitzen, die ihm flüſternd mittheilte, der junge Herr habe vorhin eine Stunde gewacht, es gehe viel beſſer und die gnädige Frau ſei auf einen Augenblick hinuntergegangen, um Fräulein Bella Schmitz und das junge Fräulein Schmitz zu empfangen, die geſtern ſchon den ganzen Abend bei der gnädigen Frau zugebracht hätten.— Der Stadtrath runzelte die Stirn;— das fehlte noch, daß ſeine Frau ihre Familienbeziehungen wieder hervorſuchte, jetzt, wo ihm Alles darauf ankam, ſeinen vollſtändigen Bruch mit der Demokratie, vor Allem mit den demokratiſchen Verwandten ſeiner Frau recht gefliſſentlich zur Schau zu tragen.
Er ſetzte ſich an ſeines Sohnes Bett, nahm die heiße Hand des Kranken in ſeine Hand und ließ ſie wieder fallen, weil es ihm war, als ob Wolfgang bei der Berührung zuſammengezuckt hätte.
So ſaß er, in ſich verſunken, da, und dachte der Zeit, wo Wolf⸗ gang geboren war und wie er ſich gefreut hatte, daß es ein Sohn ſei, und welche ſtolzen Hoffnungen er an dieſen Sohn geknüpft hatte. Damals war er noch mit Peter Schmitz— äußerlich wenigſtens— eng verbunden geweſen und er hatte ſich geſagt: der Peter ſoll mir meinen Sohn reich machen helfen und dann wird er die Stellung in der Welt einnehmen können, die ſein Vater ſo leichtſinnig verſcherzt hat.— Was war von dieſen Hoffnungen in Erfüllung gegangen? Er hatte ſeinen Schwager fallen laſſen, um das heißerſehnte Ziel ſchneller und leichter zu erreichen; aber er hatte ſich grauſam ver⸗ rechnet. Sein Schwager war freilich nicht reich geworden; aber er war ein ehrlicher Mann geblieben; er ſelbſt war ärmer, als je— und—
Der Stadtrath ſprang auf; es war ihm, als ob er erſticken müſſe. Er flüſterte Urſel zu: er habe dringende Geſchäfte in der Stadt zu beſorgen und werde wahrſcheinlich ſehr ſpät nach Hauſe kommen. Wenn es mit dem jungen Herrn nicht beſſer gehe, ſolle ihm Urſel
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