Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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Erſter Band. 193

wegs glänzend waren. Die radicale Zeitung machte ſchlechte Ge⸗ ſchäfte; in den Kreiſen des Stadtraths war man allgemein der Mei⸗ nung, daß ſich dieſelbe höchſtens noch dies Quartal halten könne, wenn ſie nicht eine viel gemäßigtere Richtung einſchlage, woran bei der bekannten Geſinnung des Verlegers und der Redacteure natürlich nicht zu denken ſei. Dazu kam der Tod von Peters Bruder Eugen und der Stadtrath kannte die Verhältniſſe der Schmitz'ſchen Familie hinreichend, um zu wiſſen, daß dieſes Ereigniß eine neue Quelle von Verlegenheiten für Peter ſein werde.

Nur der Alte auf Rheinfelden könnte helfen! murmelte der Stadtrath, von dem Sopha aufſpringend und, die kalten Hände auf die fieberheißen Schläfen gedrückt, im Zimmer auf⸗ und abſchreitend; aber er wird nicht helfen wollen. Zwar iſt er ſehr gütig gegen Wolf⸗ gang geweſen, aber von da, bis der Geizhals ſeine Geldkiſte auf⸗ ſchließt, iſt noch ein weiter Schritt. Und daß der Wolfgang nun auch gerade jetzt krank werden muß; ſo könnte man doch wenigſtens erfahren, wie der Alte über mich denkt.

Der Stadtrath hatte geſtern Abend, als er den unſeligen Griff that, der ihn zum Verbrecher machte, ſich eingebildet: er thue, was er thue, nicht für ſich, ſondern für die Seinen, über die er die Schande eines leichtſinnigen Banqueruts nicht dürfe kommen laſſen; und jetzt, nachdem die That geſchehen war, verurſachte ihm der Gedanke an ſeine Frau, an ſeinen Sohn Höllenpein, denn er wußte, daß ſie das vermeintliche Opfer, das er ihnen gebracht, mit Abſcheu von ſich weiſen, daß ſie jedes Leid, daß ſie den Tod einer ſolchen Rettung vorziehen würden. Heute Nacht hatte er bei dem Gedanken, ſeine Frau könne ſterben, aufgeathmet denn die Hälfte ſeiner Laſt wäre ja auf dieſe Weiſe von ihm genommen worden! und heute Morgen, als er ſeinen Sohn ſo bleich und krank vor ſich liegen ſah, hatte er wieder nichts Anderes empfunden, als daß ein Elender, wie er, keinen Sohn haben dürfe, daß ein Sohn, wie Wolfgang, einen Elenden nicht zum Vater haben könne und daß es beſſer für Wolfgang ſei, er erwachte nicht wieder zum Leben.

Und doch war Wolfgangs gutes Verhältniß zu dem alten Mann in Rheinfelden jetzt ſeine einzige Hoffnung. Daß es dem Alten nur Fr. Spielhagen's Werke. VII. 13