Erſter Band. 191
„Sie haben's ihm gut gegeben,“ ſagte der Stadtrath Heydtmann und Compagnie zu Herrn von Hohenſtein, als ſie zuſammen die Rathhaustreppe hinabgingen.„Ein höhniſcher, ſpitzfindiger Kerl, ein Krakehler und Stänker und der es beſonders auf Sie abgeſehen zu haben ſcheint. Hüten Sie ſich vor dem Menſchen, mein wertheſter Herr von Hohenſtein!“
„Pah, was kann er mir thun?“ ſagte der Stadtrath.
„Hm, hm!“ ſagte Herr Heydtmann und Compagnie,„der Burſche hat ſeine Hand überall im Spiel und heute iſt Ultimo. Wenn Sie etwa was brauchten, Herr von Hohenſtein— ſo ein paar Tauſend Thälerchen haben Heydtmann und Compagnie für ihre Freunde immer liegen.“
Den Stadrath durchzuckte es wie ein elektriſcher Schlag. Wenn ihm das Anerbieten ein paar Tage früher, wenn es ihm geſtern— nur noch geſtern gemacht wäre!
„Natürlich nur auf ein kurzes Ziel,“ ſagte der vorſichtige Fabrikant, den ſein Anerbieten gereute, nachdem er es kaum aus⸗ geſprochen;„das Geld iſt jetzt knapp und man muß auf Alles gefaßt ſein.“
„Sie ſind ſehr gütig,“ ſagte Herr von Hohenſtein;„aber ich bin glücklicherweiſe in der Lage, mir ſelbſt ohne Anſtrengung helfen zu können.“
„Brav, brav!“ ſagte Herr Heydtmann, ſehr froh, daß man ihn nicht beim Worte genommen hatte;„aber ich muß hier abbiegen;— nichts für ungut, Herr von Hohenſtein, nichts für ungut!“
„Wie wäre das möglich!— ein Freund, wie Sie!“
„Sehr obligirt, ſehr obligirt!“
Die Herren ſchüttelten ſich die Hände und der Stadtrath ſetzte ſeinen Weg allein fort.
„Es hätte mir doch nichts geholfen,“ murmelte er;„ich bin zu weit gegangen, als daß ich noch zurück könnte.“
Es war bereits Nachmittag, als der Stadtrath wieder in ſeiner Wohnung anlangte. Er begab ſich ſogleich in ſein Zimmer, ſchellte nach dem Mädchen, fragte, wie es dem jungen Herrn gehe, und als Urſel berichtet: es ginge etwas heſſer, befahl er ihr, ihm etwas Brod


