190 Die von Hohenſtein.
von Hohenſtein mit einer Stimme, die vor innerer Aufregung bebte, obgleich ſeine Miene und Haltung ruhig und vornehm waren, wie immer;„wenig; wenn Sie wollen, Nichts, denn auf Beleidigungen, wie man ſie eben aus blauer Luft gegen mich geſchleudert hat, giebt es keine Erwiderung, oder wenigſtens doch nur eine ſolche, für die hier und jetzt nicht der Ort und nicht die Zeit ſind.“
„Mit feudalen Velleitäten ſchlägt man heut zu Tage keinen Geg⸗ ner mehr;“ ſagte höhniſch lächelnd Herr Kaltebolt.
„Pfui, pfui!“ rief Herr Stadtrath Heydtmann und Compagnie.
„Schändlich“—„nichtswürdig“—„abgeſchmackt“— ſecundirten ein halbes Dutzend Andere.
„Meine Herren,“ rief der Oberbürgermeiſter Daſch, mit Auf⸗ bietung der ganzen, nicht geringen Kraft ſeiner Lunge den Lärmen überſchreiend;„ich bitte, ich beſchwöre Sie: laſſen wir uns in einem Augenblicke, wo wir, wenn je, viribus unitis nach einem Ziele ſtreben müſſen, nicht zu ſolchen unſeligen Zwiſtigkeiten hinreißen! Halten wir das Gemeinwohl höher als unſere Privatintereſſen! opfern wir unſern Egvismus auf dem Altar des Vaterlandes! Ein tüchtiger Mann iſt viel werth in ſo ſchlimmer Zeit, aber, meine Herren, zwei tüchtige Männer ſind voppelt ſo viel werth. Als der oberſte Beamte dieſer unfrer guten Stadt, als Ihr langjähriger College und— ich darf mich ja wohl ſo nennen?— als Ihr Freund beſchwöre ich Sie, werthe Herren und Freunde: ſtehen Sie nicht von dieſem Tiſche auf, ohne ſich vorher die Hand zur Verſöhnung gereicht zu haben!“
„Bravo, bravo!“ rief Herr Heydtmann und Compagnie.
„Ich bin gern bereit, zu vergeſſen, daß ich der Angegriffene bin!“ ſagte Herr von Hohenſtein, mit würdevollem Lächeln ſeinem Gegner die Hand über den Tiſch entgegenſtreckend.
„Ich habe nur die Sache, um die es ſich handelt, im Auge ge⸗ habt; an der Perſon— liegt mir wenig,“ brummte Herr Kaltebolt, die dargebotene Hand an den Fingerſpitzen ergreifend.
So war der Friede wieder hergeſtellt und bald darauf wurde die Sitzung geſchloſſen, nachdem mit großer Majorität der Beſchluß gefaßt war, es lieber auf's Aeußerſte ankommen zu laſſen, als dem Verlangen Münzers und Genoſſen nach allgemeiner Volksbewaffnung zu willfahren.


