Erſter Band. 185
geben konnte, und dabei waren noch die verrätheriſchen Scheine vorausſichtlich auf längere Zeit von dem hieſigen Geldmarkte entfernt und die Gefahr bedeutend geringer geworden!
Nun endlich fand Herr von Hohenſtein den Muth, zu ſeiner Gattin hinaufzugehen. Er war höchlichſt überraſcht, ſie nicht mehr im Bette zu finden. Margarethe hatte es ſchon vor mehreren Stun⸗ den verlaſſen, da ſie ſich— wie es nach dergleichen Anfällen zu ge⸗ ſchehen pflegte— heute Morgen vollkommen wohl fühlte und die Zeit nicht erwarten konnte, wo ſie mit ihrem Wolfgang ein Stündchen plaudern könnte. Aber Wolfgang hatte auf ihr freundliches:„guten Morgen, du Langſchläfer!“ das ſie ihm durch die halb geöffnete Thür hineinrief, nicht geantwortet und als ſie, um ihn mit einem Kuſſe zu wecken, an ſein Bett geſchlichen war, hatte ſie ihn mit fieberhaft ge⸗ rötheten Wangen und halbgeſchloſſenen Augen in einem krankhaft lethargiſchen Schlaf gefunden. Sie hatte ſeitdem des Sohnes Bett nur verlaſſen, um die Mädchen nach dem Arzt zu ſchicken, und ſo fand ſie der Stadtrath.
„Es wird nichts zu bedeuten haben,“ ſagte er,„ein wenig Ueber⸗ müdung nach den Strapazen des geſtrigen Tages; haſt Du nach dem Medicinalrath geſchickt? ängſtige Dich nur nicht; wir Hohenſteins haben eine zähe Natur.“
Er hatte dem Kranken nach dem Puls gefühlt und dann das Zimmer wieder verlaſſen. Seine bis zum tiefſten Grunde erſchöpfte Seele war nicht mehr im Stande, neue Eindrücke aufzunehmen. Dennoch hatte er ſeinen Sohn— ſein einziges Kind— in ſeiner Art immer ſehr geliebt. Es fiel ihm ein, daß der Alte auf Rhein⸗ felden es als einen Beweis von Hochachtung anſehen würde, wenn er ihm dies neue Unglück meldete. So ſchrieb er ein paar Zeilen an den General, in welchen er ſich über die Ungerechtigkeit eines Schick⸗ ſals, das ihn mit Leid zu verfolgen nicht müde werde, bitter beklagte.
Die Wechſel waren bezahlt; die Leute, die ſie eincaſſirt hatten, hatten den Stadtrath becomplimentirt, daß er in dieſer Zeit, wo die klingende Münze ſich überall verkrieche, ſo viel Gold und Silber in ſeiner Kaſſe habe.
Und nun mußte der Stadtrath den furchtbaren Entſchluß faſſen,


