Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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186 Die von Hohenſtein.

ſich in die Magiſtratsſitzung zu begeben, welche von dem Rathsdiener Wenzel auf elf Uhr angeſagt worden war. Der Stadtrath fühlte ſich ſo matt, ſo gebrochen!— wenn er ſich krank melden ließe?— es war ja doch die pure Wahrheit; aber wie durfte er heute krank ſein? wie durfte er heute nur krank ausſehen?

Er blickte in den Spiegel und erſchrak über ſein bleiches, ver⸗ fallenes Geſicht. So konnte er unmöglich erſcheinen. Es fiel ihm ein, daß er in früheren Jahren— wo man ihn„den ſchönen Hohen⸗ ſtein“ nannte— ſich manchmal nach durchſchwärmten Nächten ge⸗ ſchminkt habe. Unter ſeinen alten Toiletteſachen mußten die Requiſiten ſich noch vorfinden. Er ſuchte; er fand das mit Silber ausgelegte Ebenholzkäſtchen; es war noch Alles wohl erhalten; und mit zitternden Händen bemalte er ſeine bleichen Wangen. Er hatte die Kunſt noch nicht verlernt. Er überzeugte ſich, daß der geheuchelte Schein von Geſundheit und Friſche vollkommen war.

Er trat auf die Straße. Die Morgenſonne ſchien ſo freundlich über die grauen Dächer des Kloſters durch die mächtigen Kronen der alten Bäume auf die Straße, und in den Bäumen ſangen die Vögel ſo lieblich— es war ein wonniger Morgen. Aber der Stadtrath fühlte nichts davon. Sonſt war er immer auf ſeiner Seite der Straße— der Sonnenſeite— gegangen, weil die Wärme ihm wohl that;— heute ging er auf der andern Seite, im Schatten der langen Kloſtermauer. Aber in der nächſten Straße mußte er aus dem Schatten heraus, hinein in das Treiben und das Gewühl einer der Hauptſchlagadern der volkreichen, viel geſchäftigten Stadt. Er war es gewohnt, daß viele Leute ihn grüßten, und er hatte ſtets etwas darin geſucht, von möglichſt Vielen begrüßt zu werden;— heute war es, als ob alle Meuſchen, die er kannte, ſich das Wort gegeben hätten, ihm auf der Straße zu begegnen. Jeder dritte Menſch zog den Hut vor ihm ab und ſtarrte ihm in die Augen und in das Geſicht; Einer oder der Andere— er bemerkte es wohl— wandte ſich ſogar nach ihm um. Und da kam auch der Medicinalrath Schnepper, der jeden⸗ falls zu ſeinem Sohne wollte; er konnte ihm nicht ausweichen und doch hatte der kleine verwachſene Mann ſo zwinkernde ſcharfe Augen!

„Morgen, morgen, lieber Stadtrath! bin im Begriff, zu Ihnen