Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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180 Die von Hohenſtein.

der Hand vor ſich ſtehen. Der Vater ſah ſo blaß, ſo verſtört, ſo angegriffen aus, daß Wolfgang heftig erſchrak.

„Biſt Du krank, Vater?“

„Ich krank? weshalb krank?“ erwiderte der Stadtrath, im Be⸗ griff die Hausthür wieder zu verſchließen. Wolfgang bemerkte, daß die Hahd, in welcher der Vater das Licht hielt, heftig zitterte. Er ergriff das Licht und wie er dabei die Hand des Vaters berührte, fühlte er, daß dieſelbe eiskalt war.

„Aber, lieber Vater, Du biſt gewiß krank;“ rief der junge Mann beſorgt.

„O, nicht doch;“ erwiderte der Stadtrath und verſuchte zu

lächeln;„ich bin angegriffen, ſehr, ſehr angegriffen; den ganzen Tag

auf den Beinen, in einem fort geſprochen; das greift an; ich bin ſehr matt, ſehr; gute Nächt, kannſt das Licht behalten; ich habe noch eines in meiner Stube brennen.“

„Biſt Du bei der Mutter geweſen?“

„Ich? nein, nein! bewahre Gott!“ und der Stadtrath zuckte ſichtbar zuſammen, während er das ſagte.„Geh zu Bett, mein Junge;“ ſetzte er nach einer Pauſe hinzu,„brauchſt mich nicht ſo ängſtlich forſchend anzuſehen; ich bin ganz wohl, vollkommen wohl; aber etwas angegriffen; den ganzen Tag auf den Beinen, das viele Reden— gute Nacht, mein Junge.“

Der Stadtrath ſchlug den Schlafrock dichter um ſich und ging raſch in ſein Zimmer, das er hinter ſich verſchloß. Wolfgang fiel das auf; der Vater hatte ſonſt ſtets bei unverſchloſſenen Thüren geſchlafen.

Ein ſeltſam banges Gefühl überkam den jungen Mann, als er ſo mit dem Lichte in der Hand in dem weiten Flur ſtand, durch welchen jetzt das Tiktak der alten Wanduhr auf dem Treppenabſatz ſo unheimlich laut erſcholl. Die Lampe in der Glasglocke an der Decke flackerte noch einmal auf und erloſch. Wolfgang berührte das unan⸗ genehm; er hatte eben an die Mutter gedacht; es kam ihm vor wie ein böſes Omen.

„Du biſt übermüde,“ ſprach er bei ſich;„mach, daß du zu Bette kommſt, du ſiehſt ſonſt heute Nacht noch Geſpenſter.“

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