Erſter Band. 179
Er kam durch eine ſtille einſame Straße, in die er in ſeiner Achtloſigkeit unverſehens gerathen war, denn ſein eigentlicher Weg führte gar nicht durch dieſe Straße. Als er an einem der hübſcheſten Häuſer, das ſich durch einen, von epheuberankten Pfeilern getragenen Balcon auszeichnete, vorüberſchritt, wurde die Thür dieſes Hauſes geöffnet und ein Mann kam ſo eilig die Stufen, welche zur Hausthür führten, herab, daß er an Wolfgang ſtieß und dieſen ſo ſehr unſanft aus ſeinen Träumen aufſchreckte.
„Entſchuldigen Sie!“ ſagte der Mann und eilte weiter.
„War das nicht Dr. Münzer,“ ſprach Wolfgang bei ſich;„und wie komme ich denn hierher? wohnt hier nicht Tante Antonie? Was hat der Münzer hier zu thun?“
Die Begegnung mit Münzer hatte Wolfgang auf ein paar Minuten munter gemacht; aber bald überwältigte ihn wieder die Ab⸗ ſpannung. Er ſchleppte ſich nur ſo eben weiter und war herzlich froh, als er endlich die elterliche Wohnung erreicht hatte.
Er ſah rechts im Parterrezimmer, wo ſein Vater ſchlief, Licht. Der Vater mußte zu Hauſe ſein. Die Hausthür war verſchloſſen. Wolfgang klingelte leiſe, damit die Mutter nicht geſtört werde. Es wurde nicht geöffnet; doch ſah er, wie das Licht in der Schlafſtube ſeines Vater hin und her getragen wurde. Müde und ungeduldig, wie der junge Mann war, kletterte er an dem Weinſpalier, welches die Mauer bekleidete, ſo weit hinauf, daß er an das Fenſter klopfen konnte:„ich bin's!“
Das Rouleau wurde in die Höhe gezogen; Wolfgang ſprang auf den Boden hinab. Das Fenſter wurde geöffnet; der Stadtrath ſchaute heraus.
„Biſt Du's, Wolfgang?“
„Ja, Vater.,
„Kommſt Du allein?“
„Mit wem ſollte ich kommen?“ erwiderte der junge Mann, ver⸗ wundert über die Frage.
„Ich werde Dir gleich aufmachen.“
Nach wenigen Angenblicken wurde die Hausthür geöffnet. Wolf⸗ gang ſah den Vater in einen Schlafrock gehüllt mit einem Lichte in
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