Erſter Band. 175
„Aber Tante Bella,“ ſagte Wolfgang,„die Mutter ſpricht ſtets mit der größten Liebe von Dir und ich—“
„St, ſt!“ ſagte die Tante;„ich weiß, was ich weiß. Tante Bella iſt immer nur dann gut, wenn man ſie brauchen kann. Ich bin von jeher das Aſchenbrödel in der Familie geweſen; aber das thut nichts, ganz und gar nichts; ich habe mich mittlerweile daran gewöhnt. Aber, erkläre mir doch nur, Wolfgang, wie Du nach Rheinfelden kommſt! ich denke, Dein Vater und der alte General ſind die größten Feinde! Das kann ja gar nicht mit rechten Dingen zugehen. Laß Dich um's Himmelswillen nicht mit denen ein, Wolfgang! Ich ſage Dir, ſie taugen Alle nichts; Alle, wie ſie da ſind. Wenn Dein Vater treu und ehrlich zu uns gehalten hätte, nachdem er einmal zu uns gekommen: es ſtünde beſſer mit Euch und uns.“
„Mag ſein, Tante,“ ſagte Wolfgang nachdenklich,„mag wohl ſein; aber das iſt ein langes Kapitel; wir wollen ein ander Mal darüber ſprechen.— Iſt der Vater noch immer nicht vom Rathhaus zurück? und was giebt's denn überhaupt in der Stadt?“
„Gott mag's wiſſen,“ erwiderte Tante Bella;„die Menſchen wollen ja einmal keinen Frieden halten. Mein Bruder Peter iſt mit Dr. Münzer und Dr. Holm gegen Abend von Hauſe fortgegangen, ohne mir ein Wort zu ſagen, was gar nicht hübſch von ihm iſt, aber mit mir braucht man ja keine Umſtände zu machen, das iſt eine alte Geſchichte. Ich wollte, ihr Männer könntet nur ein einziges Mal ſolche Angſt ausſtehen, wie wir, wenn wir allein zu Hauſe ſitzen und nicht wiſſen, was draußen vorgeht und jedes Mal, wenn geklingelt wird, zuſammenfahren, weil wir denken: es iſt eine Unglücksnachricht. Ich begreife Deinen Vater nicht. Wenn Deine Mutter auch noch nicht ſo krank war, als er fortging, krank war ſie immer und da hätte er wohl zu Hauſe bleiben können. Du wärſt zu Hauſe geblieben, davon bin ich überzeugt, aber Du haſt auch Schmitz'ſches Blut in Deinen Adern und Schmitz'ſches Blut iſt treu. Stl ſprach da Deine Mutter nicht? richtig! ſie iſt aufgewacht! ſoll ich erſt hineingehen und ſagen, daß Du hier biſt?“
„Thu's, liebe Tante, und ängſtige Mutter nicht, wenn ſie nach dem Vater fragt.“


