166 Die von Hohenſtein.
knüpfte an die bevorſtehende Zuſammenkunft mit dem Großonkel die kühnſten Hoffnungen; er pries ſich glücklich, daß„der Alte noch in der zwölften Stunde zur Beſinnung gekommen ſei.“ Nun würden ihn doch ſeine Standesgenoſſen nicht länger über die Achſeln anſehen können! Und dann konnte es ja gar nicht fehlen, daß der General, nachdem er ſeine Verſöhnung mit dem lange verkannten Neffen ſo gleichſam officiell bei einer Gelegenheit, wo die ganze Familie unter ſeinem Dach verſammelt war, ausgeſprochen, ihn auch mit den übrigen Verwandten zugleich in ſeinem Teſtament bedachte! Ja, wer könne es wiſſen, beſſer vielleicht bedachte, als die Andern, deren er wohl jedenfalls herzlich überdrüſſig war! wozu hätte er ſich ſonſt derer erinnert, die er ſeit zwanzig Jahren ganz vergeſſen zu haben ſchien!
„Ich denke, Junge,“ hatte er gerufen und dabei Wolfgang auf die Schüulter geklopft,„ich denke, das ſoll auch Dir zu Gute kommen. Hätte ich vor fünf Jahren gewußt, daß es noch einmal ſo ſich wenden könnte, ich würde Dir nie erlaubt haben, ſolch ein elendes Fach zu ergreifen, als Deine alberne Jurisprudenz, bei der ſchließlich doch nicht viel herauskommt. Referendar und Aſſeſſor das halbe Leben lang— was iſt denn das? Ich möchte, Du wäreſt Soldat geworden! s iſt am Ende doch das einzige anſtändige Handwerk für einen Edel⸗ mann! Was meinſt Du, Gretchen?“
Die Mutter hatte freundlich gelächelt und mit ihrer ſanften Stimme geſagt:„Ich bin zufrieden, wenn Du zufrieden biſt— und der Wolf,“ hatte ſie ſchnell hinzugeſetzt, indem ſie die Hand ihres Sohnes ergriff und liebevoll drückte.
Wolfgang aber hatte nicht gelächelt, denn die Weiſe, wie der Vater die ganze Sache anſah, hatte ihm ausnehmend mißfallen. Dies plötzliche ſcharfe Aecentuiren des Adels, auf den der Vater bis dahin ſcheinbar ſo wenig Gewicht gelegt, war ihm befremdend. Es ſtimmte ſo wenig mit des Jünglings Vergangenheit und mit den freien Anſichten, die ſich, mit in Folge gerade dieſer Vergangenheit, in ihm entwickelt hatten! Und dann beleidigte ſein reines Gefühl die niedrige Habſucht, die ſo unverhüllt aus den Worten des Vaters hervorblickte. War es denn immer Geld und wieder Geld, um das es ſich handelte? Wenn der Vater Freude darüber empfand, daß


