Teil eines Werkes 
7. Band, Die von Hohenstein : Roman : 1. Band (1867)
Entstehung
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Erſter Band. 165

Tage ſehr ſandig, ſo daß trotz des beſten Willens des braven Köbes und der ehrlichſten Anſtrengungen ſeiner wackern, ſtarkknochigen Pferde die Fahrt ſehr langſam ging, viel zu langſam für den armen Wolf⸗ gang, der in ſeiner Ungeduld, die Stadt zu erreichen, den Flug der Waſſervögel, welche der knarrende Wagen hier und da aus dem Röhricht des Ufers aufſcheuchte und die in wunderbarer Eile horizontal über den im Mondenſchein blinkenden Waſſerſpiegel weg das jenſeitige Ufer erſtrebten, kaum ſchnell genug geweſen wäre. Zwar die Angſt um die Mutter, welche anfangs ſeine Seele ganz erfüllt hatte, war bei ruhigerer Ueberlegung etwas geringer geworden. Wolfgang mußte ſich ſagen, daß die Mutter ähnlichen Anfällen von einer außerordent⸗ lich heftigen Migräne, in denen ſie alsbald irre zu reden begann, ſchon häufig, ohne erheblich ſchlimme Folgen ausgeſetzt geweſen ſei. Wie oft hatte er ſelbſt, vor ihrem Bett ſitzend, ſeine Hand ſtunden⸗ lang auf die liebe brennende Stirn gelegt, während das leiſe Wim⸗ mern der Gequälten ſein Herz zerriß und er Jahre ſeines Lebens freudig hingegeben hätte, wenn er damit der Mutter eine Stunde

ſchmerzloſer Ruhe hätte erkaufen können! Warum ſollte der Anfall

heute bedenklicher ſein, als noch ſtets? und dann, würde es der Vater über's Herz gebracht haben, in die Rathsſitzung zu fahren, wenn er von der Gefahrloſigkeit des Zuſtandes der Mutter nicht vollkommen überzeugt geweſen wäre? Wolfgang hatte mit dem Vater nicht immer harmoniren können; er hatte mit tiefem Schmerz viele Züge von einer kalten, egviſtiſchen, herzloſen Geſinnung in dem Vater wahr⸗ genommen, aber gegen die Mutter hatte der Vater, ſo lange Wolf⸗ gang denken konnte, noch nie dieſe ſchlimme Seite ſeines Charakters herausgekehrt; gegen ſie war er ſtets aufmerkſam und voller Theil⸗ nahme geweſen. Beſonders war das dem jungen Manne aufgefallen, als er neulich ſo unerwartet durch einen expreſſen Brief nach Hauſe gerufen worden war, und ihm der Vater bei ſeiner Ankunft in großer Erregung mittheilte: er habe für ſich ſelbſt und für die Mutter und Wolfgang eine Einladung nach Rheinfelden erhalten. Er hatte den Vater noch nie ſo heiter geſehen, oder eigentlich war heiter nicht der rechte Ausdruck für eine Stimmung, die in ihrer Aufgeregtheit für den ruhigen Beobachter etwas Beängſtigendes hatte. Der Vater